Online-Musikvertrieb nimmt Fahrt auf / Erleichterung nach Phonoline-Durchbruch

Donnerstag, 14. August 2003
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Die illegalen Online-Musiktauschbörsen wie Kazaa und Morpheus bekommen neue Konkurrenz. Nachdem bereits Apple in den USA äußerst erfolgreich den I-Tunes-Service ins Leben gerufen hat, gehen nun auch in Deutschland zahlreiche Anbieter mit legalen Angeboten auf Kundenjagd. Noch in dieser Woche launcht etwa Microsoft gemeinsam mit dem britischen Musik-Lizenzanbieter OD2 den MSN Music Club. Nutzer des Services, der bereits seit Frühjahr von Tiscali unter der Marke Tiscali Music Club angeboten wird, können rund 200.000 Tracks der Majors Warner, BMG, Universal, Sony und EMI mit dem Windows Media Player herunterladen. Der Preis pro Song liegt bei 99 Cent, ein ganzes Album kostet 12,49 Euro.

Auch Chart-Radio, das Web-Radio von Chart Control, startet noch in dieser Woche mit dem Technik-Partner Tiscali einen eigenen Downloadshop. Musikfans sollen künftig die Top-100-Charts sowie die Hits der letzten Jahre legal ab 99 Cent pro Track mit dem Windows Media Player herunterladen können. Partner sind BMG Ariola, Warner, Sony Music und Universal. Das Angebot startet zunächst mit 5000 Titeln, bis Jahresende soll der Bestand auf 50.000 Songs erweitert werden. Eine wahre Flut von neuen Download-Services dürfte der Start von Phonoline nach sich ziehen. Wenn die immer wieder verschobene Vertriebsplattform der deutschen Musikindustrie, über die Plattenfirmen gemeinsam mit dem Technik-Partner T-Com ihr Repertoire weiterlizenzieren, wie berichtet im Herbst startet, dürften zahlreiche Portale ihr Musikangebot erweitern. Zu den Anbietern, die bereits vor Monaten Interesse geäußert haben, gehören unter anderem AOL, Freenet und Lycos. Auch T-Online will zur IFA im September einen neuen Download-Service starten, für den sich eine Allianz mit Phonoline anbieten würde.

Dass sich die Phonoline-Partner nach monatelangen Verhandlungen nun doch noch geeinigt haben, löst bei den meisten Plattenfirmen Erleichterung aus. "Es wurde höchste Zeit, dass die endlosen Diskussionen zu einem Ergebnis führen", so Michael Haentjes, CEO bei Edel Music. Die Musik-Entscheider sehen sich nun für die Zukunft gut aufgestellt. Universal-President Victor Antippas bezeichnet den Online-Musikvertrieb als "Motor des künftigen Wachstums" und Phonoline als "großen Wurf für unsere Branche". Nach Ansicht von Udo Lange, CEO bei EMI, handelt es sich bei Phonoline um "eines der wichtigsten und sicherlich historisch bedeutsamsten Projekte", das im Musikmarkt eine "herausragende Rolle" spielen werde. mas
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