Online-Allianz: Zeit, FAZ und Süddeutsche steigen bei IQ Digital ein

Mittwoch, 07. November 2012
IQ-Digital-Chef Christian Herp und VHB-Geschäftsführerin Marianne Dölz
IQ-Digital-Chef Christian Herp und VHB-Geschäftsführerin Marianne Dölz


Die Verlagsgruppe Handelsblatt, die Zeit-Gruppe, der FAZ-Verlag und der Süddeutsche Verlag bündeln ihre Kräfte in der Online-Vermarktung. Die Verlage von "Zeit", "FAZ" und der "Süddeutschen Zeitung" beteiligen sich mit jeweils 15 Prozent am Online-Vermarkter IQ Digital Media Marketing der Verlagsgruppe Handelsblatt. Außerdem übernehmen die Düsseldorfer ab sofort die Vermarktung aller Digitalaktivitäten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden soll die neue Beteiligungsstruktur bereits zum 1. Januar 2013 wirksam werden. Mit der Beteiligung an IQ Digital wollen die Verlage die Position des Vermarkters als führendem Anbieter von Premium-Websites in dem stark volumengetriebenen Geschäft stärken. Ziel der Beteiligung der Verlage an IQ Digital sei es, die "herausragende Positionierung" als Qualitätsvermarkter in einem langfristig angelegten Joint Venture weiter auszubauen, um die einzelnen Marken als "starke Premium Player" erfolgreich im Werbemarkt zu positionieren. Inklusive des Portals FAZ.net, das bislang von Tomorrow Focus vermarktet wurde, kommt IQ Digital künftig auf eine Reichweite von über 17 Millionen Unique Usern.

"Wir freuen uns sehr über das Commitment und die Wertschätzung unserer neuen Partner. Gemeinsam werden wir den weiteren Ausbau von IQ Digital vorantreiben", sagt Marianne Dölz, Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Handelsblatt zur Erweiterung des Gesellschafterkreises. "Neue Mandate wie auch weitere Investitionen in Technologie und Personal werden die Stellung der IQ Digital  weiter festigen. Wir sehen uns für bevorstehende Konsolidierungstendenzen im deutschen Digitalvermarktungsgeschäft bestens aufgestellt." Einer möglichen Allianz auch im Bereich der Printvermarktung erteilen die beteiligten Verlage indes eine klare Absage: "Das ist aktuell überhaupt kein Thema", betont Dölz im Interview mit HORIZONT. "Bei der Beteiligung von FAZ und Süddeutsche handelt es sich um eine reine Digital-Beteiligung." dh

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"Unser Anspruch ist, Standards zu setzen"

Was ist die strategische Logik hinter der Beteiligung von FAZ, Süddeutsche und Zeit?
Christian Herp: IQ Digital steht für Qualitäts-Websites und -Mediabrands. Seit Anfang des Jahres vermarkten wir erfolgreich Süddeutsche.de, dass wir nun auch FAZ.Net im Portfolio haben, sehen wir als nächsten logischen Schritt. Zusammen mit Handelsblatt Online und Zeit Online bieten wir im Nachrichtensegment nun 11,5 Millionen Unique User, das ist mehr als Spiegel Online. Das verschafft uns eine einzigartige Stellung im Digitalmarkt. Und natürlich erhoffen wir uns davon einen Push in der Vermarktung.

Lohnt sich eine solche Qualitäts-Ausrichtung auch wirtschaftlich?
Herp:
Wir sind überzeugt, mit Qualitäts-Websites ein Premium im Onlinemarkt erzielen zu können. Das beweisen wir heute schon, wir kapitalisieren unsere Websites deutlich höher als der Marktdurchschnitt. Wie stellen fest: Die Kunden wollen für ihre Kommunikation starke Medienmarken und nicht anonymen Traffic. Wir werden das Thema Qualität künftig noch stärker herausstellen. Unser Vorteil ist, dass FAZ, Handelsblatt, Süddeutsche und Zeit völlig unzweifelhaft für exzellenten Journalismus und Premium-Zielgruppen stehen. Das ist etwas ganz anderes, als wenn nun Vermarkter wie Interactive Media und United Internet versuchen, sich als Qualitätsanbieter zu positionieren. 

Unser Eindruck ist: Online läuft dieses Jahr bei weitem nicht so gut, wie die Bruttozahlen von Nielsen ausweisen. Und zweitens: Verlags-Websites laufen noch einmal schlechter als der Markt.
Herp: Dass sich die Brutto-Netto-Schere in diesem Jahr geöffnet hat, ist kein großes Geheimnis. Insofern gebe ich Ihnen im ersten Teil Ihrer Ausführungen recht. Dass Verlags-Websites schwächer performen als der Markt insgesamt, kann ich allerdings nicht bestätigen.

Marianne Dölz: Dass wir FAZ.Net im Portfolio haben, wird uns schon kurzfristig in der Vermarktung helfen. Noch wichtiger sind mir allerdings die langfristigen Effekte. Im digitalen Bereich entwickelt sich sehr viel, aber leider nicht besonders standardisiert. Mit den drei neuen Gesellschaftern im Rücken haben wir die Kraft und den Anspruch, solche Standards zu setzen. Wir werden noch stärker als bisher in Technik,  Personal und die Entwicklung von Werbeformaten investieren. Und ich sehe noch einen weiteren Punkt. Wir gehen davon aus, dass sich der Online-Vermarktermarkt in den nächsten Jahren konsolidieren wird. In unserer neuen Aufstellung haben wir eine exzellente Ausgangsbasis, in diesem Prozess eine starke Rolle zu spielen.

Ist der Einstieg von FAZ und Süddeutsche der Auftakt für eine noch weitergehende Allianz – kommt nach der Digital-Vermarktung eine gemeinsame Print-Vermarktung?

Dölz: Nein, das ist aktuell überhaupt kein Thema. Bei der Beteiligung von FAZ und Süddeutsche an IQ Digital handelt es sich um eine reine Digital-Beteiligung.

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Frau Dölz, zum Schluss noch kurz zu etwas ganz anderem. Wie finden Sie es, dass Gabor Steingart Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt wird?
Dölz: Ich begrüße diese Entscheidung unseres Verlegers uneingeschränkt. Gabor Steingart denkt unternehmerisch und ist sehr innovativ, er bringt alles mit, was man für diesen Job braucht.

Steingart gilt als streitbarer Geist.
Dölz: Ja, zum Glück. Ich persönlich mag es, wenn man in der Geschäftsführung auch mal richtig kontrovers diskutiert. Interview: Jürgen Scharrer

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