Offiziell: "FAZ" meldet Übernahme der "Frankfurter Rundschau" an

Freitag, 01. Februar 2013
Die "FAZ" will die "Frankfurter Rundschau" übernehmen
Die "FAZ" will die "Frankfurter Rundschau" übernehmen

Die Spatzen pfiffen es schon seit einigen Wochen von den Dächern, jetzt ist es amtlich: Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" will den insolventen Wettbewerber "Frankfurter Rundschau" übernehmen. Die Akquisition ist bereits Thema beim Bundeskartellamt. Die Behörde wurde nach eigenen Angaben am gestrigen Mittwoch offiziell über das Vorhaben informiert. Angemeldet wurde die Übernahme von der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH beziehungsweise der Frankfurter Societät. In der Druckerei, an der die "FAZ" über ihren Mehrheitseigner FAZIT-Stiftung beteiligt ist, wird neben der "Frankfurter Neuen Presse" auch die "FAZ" gedruckt.

Wie aus einer Mitteilung des Bundeskartellamts hervorgeht, will die "FAZ" lediglich das Verlagsgeschäft der "Frankfurter Rundschau" von dem insolventen Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main erwerben. Von der Druckerei, in der rund 250 Personen beschäftigt sind und die kürzlich wegen des Verlustes eines Springer-Auftrages in akute Schieflage geriet, ist keine Rede.

Ob die Wettbewerbsbehörde grünes Licht gibt, ist noch offen. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, betont, dass die bisher vorliegenden Erkenntnisse noch keine abschließende Bewertung des Vorhabens zulassen. In den kommenden Wochen wolle die Behörde zunächst prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Sanierungsfusion vorliegen. Für die Annahme einer Sanierungsfusion sei unter anderem maßgeblich, ob die bestehende Marktposition der "Frankfurter Rundschau" bei deren Ausscheiden ohnehin der "FAZ" zuwachsen würde und ob es einen ernsthaften alternativen Erwerber für die "Frankfurter Rundschau" gebe.

Unterdessen sickern immer mehr Details zu den Plänen der "FAZ" durch. So ist inzwischen unstrittig, dass die "Frankfurter Rundschau" im Falle einer Übernahme durch die "FAZ" als eigenständige Tageszeitung erhalten bleiben soll, um das linksliberale Klientel in Frankfurt und überregional weiterhin bedienen zu können. Dazu sollen etwa 30 Redakteure übernommen werden. Teile der Zeitung - etwa der Mantel - müssen angesichts der knappen Ressourcen aber zugeliefert werden. Wie HORIZONT.NET aus gut informierter Quelle erfuhr, soll der Mantel aber weder von der "FAZ" noch von der "Frankfurter Neuen Presse" kommen, sondern extern zugekauft werden. Hier könnte etwa die "Berliner Zeitung" zum Zuge kommen, die bereits jetzt in Teilen den "FR"-Mantel produziert. mas
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