Offener Brief: N24-Mitarbeiter warnen vor Feigenblatt-Nachrichten

Dienstag, 01. Dezember 2009
N24-Mitarbeiter kristieren Konzernchef Ebeling
N24-Mitarbeiter kristieren Konzernchef Ebeling

In einem Offenen Brief wehren sich die Mitarbeiter des Nachrichtensenders N24 gegen die Überlegungen, die Nachrichtenproduktion des Senders drastisch zu kürzen. Entsprechende Pläne hatte Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1, zu dem N24 gehört, vergangenen Mittwoch in Berlin erläutert. "Wir fordern, dass die größte private TV-Sendergruppe in Deutschland auch weiterhin ihrer Informationspflicht im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages gerecht wird", schreiben die rund 200 Unterzeichner, darunter auch N24-Chefredakteur Peter Limbourg. Anfang vergangener Woche war bekannt geworden, dass der TV-Konzern in Unterföhring alle Optionen inklusive eines Verkaufs seines Berliner Nachrichtensenders prüft. Hintergrund: Die Produktion von Nachrichten ist teuer und kostet wohl allein bei Pro Sieben Sat 1 an die 40 Millionen Euro im Jahr. Kaum ein Sender schafft es, die Kosten via Werbung zu refinanzieren. Auch der härteste Konkurrent, der zur Mediengruppe RTL gehörende Sender N-TV in Köln, hat Probleme kostendeckend zu arbeiten.

Ebeling hatte nun gegenüber Mitarbeitern und in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, dass die Nachrichten nicht zum Kerngeschäft der Sendergruppe gehörten und für die Relevanz bei den Zuschauern nicht unbedingt wichtig seien. Derzeit informiert N24, der auch als Nachrichtenlieferant für Sat 1, Pro Sieben und Kabel Eins fungiert, täglich rund 10,3 Millionen Zuschauer. "Wenn der Vorstand seine Pläne verwirklicht, würde ein Großteil der Zuschauer von privaten Fernsehsendern nur noch billige Feigenblatt-Nachrichten sehen", warnen die Unterzeichner. pap
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