OWM-Chef Becker vergleicht Trading mit Lehmann-Pleite

Freitag, 02. September 2011
OWM-Chef Uwe Becker hält nichts von Trading
OWM-Chef Uwe Becker hält nichts von Trading

Erstmals meldet sich der OWM in der Trading-Debatte zu Wort - und lehnt die Praxis klar ab. Das Geschäftsmodell der Mediaagenturen, auf eigene Rechnung Werbeplätze einzukaufen und dann an ihre Kunden weiterzureichen, steht seit längerem in der Kritik und gilt als einer der Gründe für den Preisverfall im Mediageschäft. "Wir lehnen Trading ab und empfehlen unseren Mitgliedern, sich nicht auf entsprechende Geschäftsmodelle einzulassen", sagt Uwe Becker im Interview mit HORIZONT. Becker ist der Vorstandsvorsitzende der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) und Mediadirektor von Unilever. Er will zwar den Mitgliedsunternehmen nicht ihre Mediapraxis vorschreiben, sieht im Trading jedoch das gleiche Grundproblem wie bei den verdeckten Agenturrabatten. "Es geht darum, ob die Agentur wirklich einzig die Interessen ihrer Kunden vertritt." Er sieht in dem Geschäftsmodell "durchaus Parallelen zu Usancen im Bankgewerbe, wie sie in der Folge der Lehmann-Pleite öffentlich wurden." 

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Das komplette Interview mit OWM-Chef Becker lesen Sie in HORIZONT 35 vom 1. September 2011.

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Die Kundenberater der Banken hätten ihren Kunden teilweise Schrottpapiere angedreht, um ihre eigenen Provisionserlöse zu optimieren. "Ich sage nicht, dass das Werbeinventar aus Trading-Deals prinzipiell schlecht ist. Das Problem ist die fehlende Transparenz", präzisiert Becker. Er kritisiert, dass für die Werbekunden nicht ersichtlich ist, zu welchem Preis die Mediaagentur das Werbeinventar bei den Vermarktern kauft. "Ein solches Modell kann nicht im Interesse der Kunden sein."

Sollten sich entsprechende Modelle weiter durchsetzen, würde in den Unternehmen "sicherlich über eine strikte Trennung von Einkauf und Planung oder über die Gründung von Einkaufsgesellscahften gesprochen. Dessen sollten sich die Mediaagenturen bewusst sein", warnt Becker. js/pap

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