Nur noch drei gemeinsame Digitalkanäle? ARD will enger mit ZDF kooperieren

Montag, 15. April 2013
Lutz Marmor hat dem ZDF Gespräche über die Digitalkanäle von ARD und ZDF angeboten
Lutz Marmor hat dem ZDF Gespräche über die Digitalkanäle von ARD und ZDF angeboten


Die Intendantinnen und Intendanten der ARD haben sich für eine grundlegende Reform der öffentlich-rechtlichen Digitalkanäle ausgesprochen. Mittelfristig hält die ARD drei gemeinsame Sender für ausreichend, davon ein Nachrichtensender und zwei Kanäle für junge Zuschauer.
Die ARD will die Zahl der öffentlich-rechtlichen Digitalsender drastisch reduzieren. Demnach könnten sich ARD und ZDF mittelfristig auf drei gemeinsame digitale Angebote beschränken. Damit will die ARD sicherstellen, dass bei tendenziell sinkenden Gebühreneinnahmen alle gesellschaftlichen Gruppen durch die Angebote von ARD und ZDF ereicht werden.

Nach den Plänen der ARD-Intendanten könnten die bestehenden sechs Digitalkänale von ARD und ZDF zu drei gemeinsamen Sendern zusammengelegt werden: Ein gemeinsames Programm für junge Menschen von 14 bis 29 Jahren könnte auf Basis der bisherigen Kanäle EinsPlus und ZDF Kultur entstehen. Eins Festival und ZDF Neo sollen nach den Vorstellungen der ARD zu einem gemeinsamen Sender für junge Erwachsene von 30 bis 49 Jahren zusammengelegt werden. Im Bereich Information könnten Tagesschau24 und ZDF Info ihre Kräfte bündeln.

Der amtierende ARD-Vorsitzende Lutz Marmor hat seinem ZDF-Kollegen Thomas Bellut die Pläne bereits telefonisch erläutert und weitere Gespräche angeboten. Das ZDF ist aber offensichtlich nicht gewillt, auf seine eigenen Digitalkanäle zu verzichten und weist den Vorstoß der ARD zurück: Es sei zwar "nachvollziehbar, dass sich die ARD am Erfolg der ZDF Digitalkanäle ZDF Neo und ZDF Info beteiligen möchte, die beide mit 0,9 und 0,6 Prozent Marktanteil weit mehr Zuschauer erreichen als die Digitalableger der ARD. Das ZDF sieht in dem Vorschlag aber keine Sparpotentiale, sondern lediglich kompliziertere Strukturen", heißt es in einer Mitteilung. Die Digitalkanäle des ZDF würden "ausschließlich durch Synergien und Verzicht durch Finanzmittel des Hauptprogramms realisiert" und würden für das ZDF wichtige Funktionen wie die Erprobung neuer Formate erfüllen.

Stattdessen regt das ZDF eine andere Aufgabenverteilung an: Die ARD könne mit einem eigenen Jugendkanal Zuschauer unter 30 Jahren addressieren, während sich das ZDF mit ZDF Neo und ZDF Kultur stärker auf Zuschauer von 30 bis 50 Jahren konzentrieren könnte. dh
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