Nokia und Microsoft schmieden Allianz gegen Apple

Freitag, 11. Februar 2011
Üben den Schulterschluss: Nokia-Boss Stephen Elop (links) und Microsoft-Lenker Steve Ballmer
Üben den Schulterschluss: Nokia-Boss Stephen Elop (links) und Microsoft-Lenker Steve Ballmer
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Nokia zieht die Konsequenzen aus seiner anhaltenden Formschwäche und verordnet sich eine komplett neue Strategie. Der finnische Handyriese wird sein Betriebssystem Symbian mittelfristig beerdigen. Den Durchbruch im so wichtigen Smartphone-Markt soll nun eine Allianz mit Microsoft bringen. Die Ende 2010 von dem Softwareriesen eingeführte Plattform Windows Phone 7 soll künftig auch auf Nokia-Handys zum Einsatz kommen. Wie der neue Nokia-Boss Stephen Elop am heutigen Freitag bekannt gab, soll Windows Phone die bevorzugte Plattform von Nokia werden. Ziel des nach wie vor weltgrößten Handyherstellers sei es, gemeinsam mit Microsoft ein neues globales Ökosystem für Mobiltelefone zu entwickeln. Auf diese Weise wolle der Konzern "die nächste Milliarde" Nutzer im Internet miteinander vernetzen.

Nokia-Managerin Jo Harlow mit dem neuen Smartphone C7
Nokia-Managerin Jo Harlow mit dem neuen Smartphone C7
Als Zielgruppe hat Elop vor allem Handynutzer in wachstumsstarken Entwicklungsländern im Visier. "Nokia ist an einem kritischen Punkt angelangt, an dem signifikante Veränderungen notwendig und unvermeidlich sind", umschreibt der frühere Microsoft-Manager die Situation. Die neue Strategie ziele darauf ab, die Führungsrolle im Smartphone-Markt zurückzugewinnen, so Elop weiter.

Nokia hatte zuletzt in dem wachstumsträchtigen Segment stetig an Boden verloren. Der Marktanteil des Betriebssystems Symbian war im 4. Quartal 2010 auf nur noch 32,6 Prozent eingebrochen. Im Gesamtjahr 2009 hatte der Anteil noch bei knapp 47 Prozent gelegen. Google konnte dagegen 2010 mit seiner Android-Plattform um sensationelle 888 Prozent zulegen und landete im 4. Quartal mit 30,8 Prozent nur knapp hinter dem einstigen Platzhirschen Nokia.

Gemeinsam mit Microsoft will Nokia nun wieder die Initiative übernehmen. Während Microsoft die Plattform Windows Phone und diverse Tools für App-Entwickler beisteuert, will Nokia unter anderem seine Erfahrung in Sachen Hardware und Software-Entwicklung einbringen. So soll etwa der Navigationsdienst Nokia Maps bei Microsoft-Angeboten wie der Suchmaschine Bing eingebunden werden. Der App- und Contentstore von Nokia soll im Microsoft Marketplace integriert werden.

Symbian wird nicht sofort eingestellt, sondern als Franchise-Plattform weiterbetrieben. Nokia hofft, noch etwa 150 Millionen Symbian-Geräte verkaufen zu können. Auch das gemeinsam mit Intel angeschobene, auf der offenen Linux-Plattform basierende Betriebssystem Meego spielt künftig keine zentrale Rolle mehr. Nokia will zwar in diesem Jahr noch ein Meego-Gerät auf den Markt bringen. Allerdings soll Meego in ein Open-Source-Projekt umgewandelt werden, das sich der langfristigen Erforschung von Geräten der nächsten Generation widmen soll.

Die neue Strategie wirkt sich auch auf die Unternehmensstruktur von Nokia aus. Ab April bündelt der Konzern sein Geschäft in den beiden Einheiten Smart Devices und Mobile Phones. Während sich die Unit Smart Devices unter der Führung der ehemaligen Marketing-Managerin Jo Harlow um Symbian Smartphones und MeeGo-Computer kümmert, soll der Bereich Mobile Phones unter der Führung von Mary McDowell die Partnerschaft mit Microsoft vorantreiben. mas
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