Nochmals 300 Mitarbeiter müssen gehen: Süddeutscher Verlag forciert den Sparkurs

Freitag, 22. November 2002

Aufgrund der schlechten Konjunkturlage und der andauernden Krise der Medienwirtschaft rechnet der Süddeutsche Verlag (SV) nach 2001 auch für das laufendende Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Neben den erheblichen Umsatzrückgängen aus dem Anzeigengeschäft seien Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen auf Beteiligungen zu verkraften.

Geschäftsführung und Gesellschafter des Süddeutschen Verlages haben daher jetzt ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen, um die Mediengruppe in den Geschäftsjahren 2003 und 2004 wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Über die bereits im laufenden Jahr eingeleiteten Maßnahmen hinaus soll die Umsetzung des mit der Unternehmensberatung Roland Berger erarbeiteten Restrukturierungskonzepts für die ganze Mediengruppe bis 2004 ergebnisverbessernde Maßnahmen in Höhe von zusätzlich rund 40 Millionen Euro bewirken.

Der Süddeutsche Verlag wird sich künftig auf sein Kernobjekt, die "Süddeutsche Zeitung", konzentrieren und die Kosten an das verringerte Geschäftsvolumen anpassen. Es geht mit den beschlossenen Maßnahmen um die Sicherung der regionalen und den Ausbau der überregionalen Marktposition der Süddeutschen Zeitung. Rand- und Nebenaktivitäten werden verschlankt und näher an die "SZ" herangeführt. So ist etwa eine engere Anbindung von Anzeigenverkauf und Redaktion von sueddeutsche.de an die "SZ" geplant.

Im Unternehmensbereich Fachinformationen werden die schon eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen mit verstärktem Engagement vorangetrieben. Neben den bereits vor Wochen angekündigten Teilverkäufen in einigen Bereichen, über die allerdings noch keine Entscheidung getroffen wurde, werden hier vor allem Führungsebenen abgebaut. Dies betrifft vor allem die Zwischenholding SVHFI. Auch das Standortkonzept wird überarbeitet hinsichtlich Strukturen und Flächennutzung.

Im Paket der kostensenkenden Maßnahmen sollen über den im Sommer 2002 angekündigten und bereits laufenden unternehmensweiten Stellenabbau hinaus bis Ende 2004 noch weitere mehr als 300 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Der Stellenabbau betrifft alle Bereiche des Süddeutschen Verlages. Die Geschäftsführung des Süddeutschen Verlages gibt dabei "weichen" Maßnahmen wie Auflösungsverträgen und Altersteilzeitmodellen den Vorzug. Betriebsbedingte Kündigungen in größerem Umfang werden sich aber nicht vermeiden lassen und zum Teil noch in diesem Jahr ausgesprochen. Über den eventuellen Eintritt eines neuen Investors oder Gesellschafters in den Eigentümerkreis des Süddeutschen Verlages, über den in den letzten Wochen viel spekuliert wurde, gibt es bislang noch keine Entscheidung.
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