Nikolaus Förster wird Chefredakteur von "Impulse"

Freitag, 09. Januar 2009
Nikolaus Förster
Nikolaus Förster

Bei den Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien gehört das Stühlerücken mittlerweile zum Kerngeschäft: Nikolaus Förster, Leiter des "Agenda"-Ressorts der "Financial Times Deutschland", übernimmt ab sofort die Chefredaktion des Monatsmagazins "Impulse" von Ursula Weidenfeld, die, wie gemeldet, den Verlag offiziell "auf eigenen Wunsch aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Führung der Redaktion" verlässt. Mittlerweile hat G+J eine entsprechende Meldung von HORIZONT.NET vom Vormittag bestätigt. Förster, 40, kam im Juli 1999 in die Entwicklungsredaktion der "FTD", die im Februar 2000 an den Start ging. Zunächst war er dort Reporter, danach Kommentarchef. Seit 2002 verantwortet Förster das Hintergrundressort mit unter anderem Kommentaren und Analysen, die Magazinsupplements "Enable" und "Medbiz", die er mit entwickelt hat, sowie das Luxusmagazin "How to spend it". Der promovierte Germanist (Thema der Dissertation: "Wiederkehr des Erzählens") arbeitete zudem zwei Jahre als Sozialarbeiter in London und war Journalistik-Stipendiant an der britischen Universität Cambridge. Stellvertretender Chefredakteur von "Impulse" wird Alexander Mayerhöfer, 39, bisher Ressortleiter „Management und Karriere" bei dem Magazin.

Mit der schnellen Entscheidung der Weidenfeld-Nachfolge versuchen G+J-Vorstand Bernd Buchholz und Wirtschaftsmedien-Geschäftsführerin Ingrid Haas, etwas Ruhe in die Vier-Titel-Sparte zu bekommen - denn derzeit geht es rund in Hamburg ("FTD"), Köln ("Capital", "Impulse") und München ("Börse Online"): G+J legt die Redaktionen aller vier Titel zu einer 250-köpfigen Riesen-Redaktion in Hamburg zusammen, ab März soll es losgehen. Zuvor sollen alle 110 Redakteure der drei Magazine entlassen werden; sie müssen sich - zu schlechteren Konditionen - um 50 neue Stellen in Hamburg bewerben. 60 Stellen fallen weg.

Deswegen, und wegen befürchteter Friktionen im Fusionsprozess und Abgängen wichtiger Kollegen, tut der Betriebsrat, was er tun muss: er protestiert. In einem auch an die Presse lancierten Brief an Bertelsmann-Vorstands- und G+J-Aufsichtsratchef Hartmut Ostrowski wählen die Mitarbeitervertretungen in Köln und München drastische Worte: Die "gesamte Belegschaft" sei von einer "Schockstarre" erfasst. Der "wachsende Dilettantismus in der Verlagsführung" mache das Projekt zu einem "Himmelfahrtskommando". Die Betriebsräte fordern, die geplanten Maßnahmen zu überdenken, Weiterbeschäftigung ohne Gehaltskürzungen zuzusagen und "Capital" schnell einen "eigenständigen Chefredakteur" zu gönnen. Ostrowski hat mittlerweile geantwortet. Gemäß G+J-Plan wird nach dem Abgang von Klaus Schweinsberg ab März Steffen Klusmann diesen Job bis auf weiteres übernehmen - zusätzlich zu seinen Aufgaben als "FTD"- und Ober-Chefredakteur der künftigen G+J-Wirtschaftredaktion.

Ohne einen sofort präsentierten Nachfolger hätte Weidenfelds Abgang dem Verlag noch mehr Probleme bereitet. Zu den Hintergründen ihrer Demission stricken unterschiedliche Verlagskreise unterschiedliche Legenden. Die erste Version: Weidenfeld, erst seit Mai 2008 bei "Impulse" an Bord und zuvor stellvertretende Chefredakteurin und Wirtschaftsressort-Leiterin beim Berliner "Tagesspiegel", habe mit großer Führungsstärke ein ambitioniertes Blatt gemacht. Doch zuletzt habe sie den Glauben an die geplante Umstrukturierung der G+J-Wirtschaftsmedien verloren und daher das Handtuch geworfen.

Die alternativen Versionen: Danach müsse Weidenfeld gehen, weil immer weniger - wichtige - bisherige oder potenzielle „Impulse"-Redakteure Lust auf ihren angeblich autoritären und unwirschen Führungsstil hätten, zusätzlich zu den Belastungen eines Umzugs nach Hamburg. Andere sagen, Weidenfeld wolle nicht unter Klusmann arbeiten; sie hätte sich selber Chancen auf dessen Leitungsposten ausgerechnet. Dritte meinen, ihr Verhältnis zu Verlagsleiterin Haas sei nicht das Beste gewesen. Focus Online vermutet zudem, Weidenfeld werde ein „kostspieliger, aber missglückter Relaunch" des Mittelständler-Magazins angelastet und fügt an, für den Relaunch habe eine Berliner Medienagentur - gemeint ist offenkundig Kircher Burkhardt - "ein hohes Honorar" kassiert. "Impulse" erscheint seit der November-Ausgabe 2008 mit neuem Layout, Cover und Konzept. rp
Meist gelesen
stats