Nikolaus Brender fordert Rückzug von Politikern aus ARD und ZDF

Dienstag, 30. Oktober 2012
Nikolaus Brender hat erneut den Einfluss der Politik auf ARD und ZDF kritisiert
Nikolaus Brender hat erneut den Einfluss der Politik auf ARD und ZDF kritisiert

Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hat erneut die zahlreichen Politiker in den Aufsichtsgremien von ARD und ZDF kritisiert. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert Brender, die Kanzlerin solle vor dem Wahljahr 2013 alle parteipolitischen Aufseher aus den öffentlich-rechtliche Sendern zurückziehen. In der Beilage "Christ & Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit" appelliert der Journalist an die Kanzlerin: "Ergreifen Sie die Initiative zum Rückzug aller Politiker aus den öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien im Wahljahr 2013." Brender begründete seinen Vorstoß mit der Praxis in der Wirtschaft: "In gut geführten Unternehmen verzichten Aufsichtsratsmitglieder bei Befangenheit auf Sitzungsteilnahme und Abstimmung."

Nach Aufassung von Brender sind Politiker zu keinem Zeitpunkt "parteiischer und zu unbefangener Kontrolle ungeeigneter als in Zeiten des Wahlkampfes". Die Besetzung der Aufsichtsgremien mit Parteipolitikern schade "sowohl dem Ansehen der öffentlich-rechtlichen Sender wie auch der Politik". Mehr als 40 aktive und ehemalige Politiker allein beim ZDF hätten "mehr die Interessen ihrer Parteien als die der Allgemeinheit im Blick", auch wenn es Ausnahmen gebe. "Auch Sie, Frau Bundeskanzlerin, sind mit drei Ministern gut vertreten und haben kürzlich Ihre engste medienpolitische Beraterin Christiansen zur Kontrolle geschickt", scheibt Brender weiter. Das Fiasko um die versuchte Einflussnahme des CSU-Sprechers Hans Michael Strepp solle der CDU-Politikerin eine Warnung sein.

Auch zum Umgang der CSU mit den ARD und ZDF nimmt Brender Stellung: Es gebe "keine Bundestagswahl, keine Bayernwahl, zu denen die Generalsekretäre der CSU den mit Politikern überfüllten Chefredaktionsausschuss des ZDF (…) nicht mit zeitraubenden, zermürbenden, programm- und ergebnislosen Politdebatten überziehen", kritisiert Brender. "Das Ziel solcher Interventionen ist klar: die Verunsicherung der Programmmacher."

Brender war 2010 beim ZDF als Chefredakteur ausgeschieden, weil der CDU-dominierte Verwaltungsrat des Senders eine Verlängerung seines Vertrags abgelehnt hatte - obwohl sich der damalige Intendant Markus Schächter für eine zweite Amtszeit von Brender ausgesprochen hatte. dh
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