News of the World: Skandalblatt wird eingestellt

Freitag, 08. Juli 2011
James Murdoch kündigt die Schließung auf der Website an
James Murdoch kündigt die Schließung auf der Website an


In der Abhöraffäre um die britische Skandalszeitung „News of the World" greift James Murdoch radikal durch: Das Blatt erscheint am Sonntag zum letzten Mal. Das ist ein Zeitungssterben der ganz besonderen Art. Mit illegalen Abhörmethoden hatte "The News of the World" (NoW) nicht nur die weltweite Öffentlichkeit gegen sich aufgebracht, sondern, so Spiegel Online, „das gesamte Murdoch-Imperium in Schwierigkeiten gebracht". Spezialisten sollen im Auftrag der Postille die Handys von Prominenten abgehört haben und sogar die Mobile-Telefone von Angehörigen entführter Kinder, von Terroropfern oder gefallener britischer Soldaten gehackt haben.

Selbst für die hartgesottenen  britischen Boulevardblätter war das "journalistische Handwerk" des Murdoch-Blattes einige Nummern zu illegal. Der Skandal brachte Murdoch moralisch in Bedrängnis und störte empfindlich die  Pläne, den Sender BSkyB komplett zu übernehmen. Derzeit hält Murdoch 39 Prozent Anteile.
Die britische Regierung, die dem Deal zustimmen muss, hat ihre Entscheidung wegen des Skandals bereits um ein halbes Jahr aufgeschoben.

Nun zeigen sich die "News of the World"-Besitzer reumütig: Die Journalisten der Zeitung hätten sich "unmenschlich verhalten", erklärte James Murdoch, Europa-Chef des Medienkonzerns News Corp und Sohn von Rupert Murdoch am Donnerstag Abend. "Zum Geschäft der News of the World gehört, andere zur Rechenschaft zu ziehen. Aber als es um sie selbst ging, ist sie gescheitert", sagte Rupert Murdoch. "Missetäter haben eine gute Redaktion schlecht gemacht."

Erste Details der Affäre kamen bereits 2006 ans Licht. Zwei frühere Mitarbeiter des Blattes wurden rechtskräftig verurteilt, prominenten Opfern hohe Entschädigungen gezahlt. Doch offenbar wurden die Machenschaften bei der Zeitung  intern nicht konsequent aufgekärt und unterbunden. Nachdem in dieser Woche immer neue Details an Licht kamen, Premierminister David Cameron eine offiziell Untersuchung ankündigte, und die Anzeigenkunden dem Blatt in Scharen davonliefen, entschied sich Murdoch, die Reißleine zu ziehen. 

Am Sonntag soll das Blatt nun zum letzten Mal erscheinen - ohne Anzeigen. Die Einnahmen sollen wohltätigen Zwecken zu gute kommen. Dem Geschäft von News Corp wird die Einstellung allerdings wohl kaum schaden: Bereits am Abend kursierten Gerüchte, dass stattdessen künftig das Schwesterblatt "The Sun" auch sonntags erscheinen wird. Von der Einstellung von "News of the World" sind rund 200 Mitarbeiter betroffen. Die Sonntagszeitung erschien seit 168 Jahren. vs/dh
Meist gelesen
stats