News Corp zieht Übernahmeangebot für BSkyB zurück

Mittwoch, 13. Juli 2011
Rupert Murdoch gibt dem öffentlichen Druck nach
Rupert Murdoch gibt dem öffentlichen Druck nach


Rupert Murdoch gibt auf - zumindest vorerst. Der Medienkonzern News Corporation hat sein Gebot zur Übernahme der restlichen Anteile an BSkyB zurückgezogen. Damit beugt sich der Medienmogul dem immensen Druck von Öffentlichkeit und Politik in Großbritannien, auf die komplette Übernahme des Bezahlsenders zu verzichten.
"Wir glauben, dass von der Akquisition von BSkyB durch News Corporation beide Unternehmen profitiert hätten. Aber es ist klar geworden, dass es in der derzeitigen Situation zu schwierig ist, das Vorhaben weiter voranzutreiben", wird Chase Carey, Chief Operating Officer von News Corp in einer Mitteilung zitiert. Man wolle aber langfristig Gesellschafter von BSkyB bleiben.

Rupert Murdochs News Corporation hält derzeit rund 39 Prozent an dem hochprofitablen Bezahlsender. Die Übernahme der restlichen 61 Prozent wollte sich der 80-jährige Medienmogul 8 Milliarden Pfund kosten lassen - es wäre die größte Akquisition in der Geschichte des Medienkonzerns gewesen.

Der Deal war eigentlich bereits in trockenen Tüchern. Noch vor wenigen Tagen hatte es so ausgesehen, als würde Medienminister Jeremy Hunt die geplante Übernahme innerhalb weniger Tage durchwinken, auch der britische Premierminister David Cameron hatte seine Zustimmung zu dem Deal signalisiert. Doch der Abhörskandal bei der Sonntagszeitung "News of the World" hat Murdoch buchstäblich in letzter Minute einen Strich durch die Rechnung gemacht. Journalisten der Sonntagszeitungen hatten tausende Telefone angezapft, darunter die Anschlüsse von Angehörigen gefallener Soldaten und Terroropfern sowie zahlreicher Prominenter.

In den vergangenen Tagen hatte Murdoch mit teils drastischen Maßnahmen noch versucht, den Milliardendeal zu retten: Am Freitag verkündete der Medienkonzern überraschend das Aus für die seit 168 Jahren erscheinende Zeitung. 200 Mitarbeiter verloren ihren Job. Heute berichtete das "Wall Street Journal", die ebenfalls zum weitverzweigten Reich von Murdoch gehört, dass der Medienkonzern seine Zeitungsbeteiligungen in Großbritannien verkaufen will. Doch alle taktischen Schachzüge halfen nichts mehr. Das Parlament wollte Murdoch am heutigen Mittwoch offiziell auffordern, auf die komplette Übernahme von BSkyB zu verzichten. Der Antrag der Opposition wurde sowohl von der konservativen Regierung als auch von Premierminister Cameron unterstützt. Mit dem Rückzieher kam Murdoch dem Parlament nun zuvor.

Man kann allerdings davon ausgehen, dass Murdoch seine Pläne für die Übernahme von BSkyB lediglich auf Eis legt und abwartet, bis sich die politische Großwetterlage in Großbritannien wieder beruhigt. dh
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