News Corp erwägt Komplettübernahme von Premiere

Freitag, 27. Juni 2008
Greift nach der Macht bei Premiere: Rupert Murdoch
Greift nach der Macht bei Premiere: Rupert Murdoch

Rupert Murdoch erwägt offenbar eine Komplettübernahme des Münchner Pay-TV-Anbieters Premiere. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise. Die Quellen des "Wall Street Journal" dürften wasserdicht sein - das Wirtschaftsblatt ist seit der Übernahme von Dow Jones durch die News Corp Teil von Murdochs Medienimperium. Die EU-Kommission hatte gestern nach einer vierwöchigen Überprüfung den Einstieg von Murdochs News Corp bei Premiere genehmigt. Der Medienkonzern mit Sitz in New York hält derzeit eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent an dem Bezahlsender.

Bereits beim Einstieg von Murdoch war über eine Aufstockung der Anteile spekuliert worden. "Rupert Murdoch gibt sich eigentlich nie mit Minderheitsbeteiligungen zufrieden", sagte ein Analyst im Januar, als Murdoch bei Premiere einstieg.

Mittlerweile hat News Corp seinen Einfluss bei Premiere weiter ausgebaut: Bei der Hauptversammlung vor rund zwei Wochen zogen mit Tim Mockridge, Chef des Bezahlsenders Sky Italia, und Mark Williams, Finanzvorstand von Murdochs Konzern News Corporation, zwei Murdoch-treue Manager in den Premiere-Aufsichtsrat ein.

Sollte Murdoch seine Anteile auf 30 Prozent aufstocken, wäre nach deutschem Aktienrecht ein Übernahmeangebot fällig. Beim derzeitigen Aktienkurs müsste Murdoch 1,2 Milliarden Euro für die restlichen knapp 75 Prozent der Anteile berappen.

Auch im europäischen Ausland ist der Medientycoon auf Einkaufstour: Offenbar will Murdoch auch beim spanischen Pay-TV-Anbieter Digital+ einsteigen. News Corp gehören bereits die Bezahlsender BSkyB in Großbritannien und Sky Italia. In Deutschland hatte der US-Australier bislang kein Glück: Seine Beteiligungen an Premiere, Pro Sieben, Vox und TM 3 waren verlustreich und nie von langer Dauer.
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