Neven DuMont: Ein Sohnemann sieht rot

Montag, 15. November 2010
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Kinder, die in die Fußstapfen ihres übermächtigen Vaters treten wollen oder sollen, sind gemeinhin nicht zu beneiden. Dass bei den DuMonts aus Köln der Haussegen schief hängt, ist seit dem aktuellen „Focus"-Interview mit Sohnemann Konstantin jedem bekannt. In der Kölner Ausgabe der "Bild" legt DuMont Junior noch einen drauf. Für diejenigen, die die HORIZONT.NET-Meldung (oder „Focus") heute morgen nicht gelesen haben, eine Zusammenfassung der wichtigsten Zitate. Konstantin Neven DuMont über ...

- den Vater Alfred Neven DuMont: Dieser spiele noch eine "entscheidende Rolle", blicke aber "bei der Digitalisierung und den nötigen Veränderungen der Geschäftsmodelle nicht so richtig durch", stellt er den Verlagslenker bloß, um anschließend allen Ernstes darauf hinzuweisen, dass er "in der Öffentlichkeit keinen großen Disput" mit seinem Vater ausfechten wolle.

- das Medienhaus M. DuMont Schauberg (MDS): "So, wie das Unternehmen jetzt geführt wird, möchte ich dort langfristig nicht investiert bleiben. Ich würde mein Kapital lieber abziehen und in Geschäftsmodelle investieren, die eine Zukunft haben, auch was die Erlöse angeht."

- sich selbst: "Ich bin jung, voller Tatkraft, habe viele Projekte vor", so DuMont. Zudem sei er froh, dass sich sein Bekanntheitsgrad jetzt erhöht habe. "Mit mir ist zu rechnen." Schon nach seinem Urlaub wolle er "wieder angreifen".

Angreifen tut der außer Rand und Band geratene Verlagssprössling auch via „Bild Köln".  Auch hier hat der Jung-Verleger und Multi-Blogger vor allen Dingen seinen Vater im Visier. Bis Monatsende erwartet DuMont Junior eine Antwort von Alfred Neven DuMont, andernfalls - so die Drohung - würde er „sein eigenes Medienunternehmen" gründen.

Nun kann man sich nicht gerade vorstellen, dass die deutsche Verlagsszene im Allgemeinen, Alfred Neven DuMont im Besonderen angesichts solcher Ankündigungen zu zittern anfangen. Doch der Vater-Sohn-Konflikt im Kölner Verlagshaus nimmt in Tonfall und Inhalt immer mehr die Züge einer griechischen Tragödie an: Meedia.de zitiert aus dem Artikel von „Bild Köln": „Mein Vater soll Christian (DuMont Schütte) und mich machen lassen. Zu zweit geht das besser als zu dritt. Im Hause Schütte ist die Übergabe auf die nächste Generation ja schon passiert, als Christians Vater ihm die entsprechenden Anteile übertragen hat. Es erscheint mir auch klug, in Zukunft Kapital und Management zu trennen, so wie andere Verlagshäuser das praktizieren. Dabei könnten Christian und ich das Unternehmen von oben strategisch ausrichten. Und für das operative Geschäft holen wir uns geeignetes Führungspersonal." Weder zu dem Vorschlag noch zu den Angriffen hat sich der Vater bislang öffentlich geäußert.

Doch je länger der 83-Jährige schweigt, desto zorniger wird der 41-jährige Sohn, desto zerrütteter wird das Vater-Sohn-Verhältnis, desto mehr gerät das Medienhaus MDS nicht nur in die Schlagzeilen, sondern auch in eine (Image-)Schieflage. Wetten: Der derzeit so schweigsame Vater wird demnächst ein Machtwort sprechen - ob damit der Familienfriede wieder hergestellt wird, ist zu bezweifeln. Und Konstantin Neven DuMont kann man nur raten: schweigen, in Urlaub fahren und möglichst Mikrophonen und Internet-Rechnern aus dem Wege gehen. vs
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