Neuer "Handelsblatt"-Chefredakteur Steingart lästert über die "FTD"

Donnerstag, 11. März 2010
Steingart führt beim "Handelsblatt" 24-Stunden-Redaktion ein
Steingart führt beim "Handelsblatt" 24-Stunden-Redaktion ein

Dass der designierte "Handelsblatt"-Chefredakteur Gabor Steingart kein Blatt vor den Mund nimmt, wurde bereits deutlich als sein Wechsel zu dem Wirtschaftstitel bekannt wurde. So rief er in HORIZONT Agenturen auf, eine neue Werbekampagne für die Zeitung zu entwerfen. Nun folgt der nächste verbale Coup. Steingart fordert im Interview mit dem "Medium Magazin" den Konkurrenten Gruner + Jahr indirekt auf, die "Financial Times Deutschland" einzustellen. Eine Wirtschaftszeitung, die nur mit Hilfe von Quersubventionen überleben könne, sei ein Widerspruch in sich. "Die Redakteure des "Playboy" müssen sich für Frauen interessieren, die des "Kicker" für Fußball, und für uns Wirtschaftsjournalisten ist es eine Frage der Ehre, dass wir Gewinne erwirtschaften", so Steingart. Damit lehnt sich der Journalist sehr weit aus dem Fenster. Schließlich ist bekannt, dass auch bei der Verlagsgruppe Handelsblatt nicht alles rund läuft. Wie HORIZONT aus gut informierter Quelle erfahren hat, beläuft sich im vergangenen Geschäftsjahr der Gesamtverlust auf rund 10 bis 15 Millionen Euro (Ausgabe 6/2010).

Laut Steingart sei die "FTD" zwar gut gemacht, werde von den Lesern aber nicht angenommen. Als Beispiel für einen ähnlichen Fall nennt er die "Woche" von Manfred Bissinger. Er habe die notwendigen Konsequenzen gezogen und den Titel eingestellt.

Zudem wettert Steingart auch gegen die Redaktionsfusion der Wirtschaftstitel im Hause Gruner. "Wer Redaktionen zusammenlegt, raubt ihnen die Seele", argumentiert Steingart. Für das "Handelsblatt" und den Schwestertitel "Wirtschaftswoche" komme ein solches Modell daher nicht infrage. Er habe sich darüber mit Verleger Dieter von Holtzbrinck verständigt - "in weniger als einer Minute".

Neben der Kritik gegenüber der Konkurrenz nennt Steingart aber auch Veränderungen, die er nach seinem Amtsantritt am 5. April am "Handelsblatt" vornehmen will. So soll künftig die Online-Redaktion rund um die Uhr besetzt sein: "Das neue "Handelsblatt" schläft nicht mehr." Zudem will der neue Chefredakteur auch die Titelseite verändern. Sie wirke zu sehr wie eine Sonderthemenseite und nicht wie eine Frontpage. Ansonsten gefalle ihm aber der Relaunch, den sein Vorgänger Bernd Ziesemer an dem Blatt vorgenommen hat. bn
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