Neue Vorwürfe und Durchsuchungen bei Unister

Donnerstag, 31. Januar 2013
Das Internetunternehmen hatte schon wieder Besuch von der Polizei
Das Internetunternehmen hatte schon wieder Besuch von der Polizei

Das Leipziger Internetunternehmen Unister hatte am Mittwoch erneut Besuch von der Polizei. Bei der aktuellen Durchsuchungsaktion ging es um den Verdacht des illegalen Adresshandels und falscher Preisangaben auf den Reiseportalen des Unternehmens. Erst im Dezember hatte es eine Razzia bei Unister gegeben. Die sächsische Generalstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Unister ausgeweitet. Die Behörden werfen dem Internetunternehmen unerlaubten Adresshandel und den gezielten Einsatz fingierter Streichpreise auf Reiseportalen wie Ab-in-denurlaub oder Fluege.de vor, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wolfgang Klein. 40 Polizeibeamte und vier Staatsanwälte durchsuchten am Mittwoch die Unternehmenszentrale In Leipzig sowie Büros in Potsdam und Bayern, berichtet dpa.

"Es besteht der Verdacht, dass über mehrere Jahre Kundendaten ohne Wissen der Betroffenen verkauft worden sind an kommerzielle Adresshändler", sagte Klein. Damit habe Unister mehrere Millionen Euro Gewinn gemacht. Die Ermittlungen seien durch eine Strafanzeige des sächsischen Datenschutzbeauftragten ins Rollen gebracht worden.

Außerdem geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Unister auf seinen Reiseportalen mit falschen Preisangaben gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb vertoßen hat. Das Unternehmen habe den Kunden mit sogenannten Streichpreisen Schnäppchen vorgetäuscht. Dafür sei ein eigenes ausgefeiltes Programm eingesetzt worden, dass die vermeintlichen Schnäppchenpreise erzeugt habe. "Man hat auf breiter Front etwas vorgetäuscht, was nicht da war", sagte Klein. "Wir haben den Algorithmus gefunden."

Unister bestätigte die Polizeiaktion indirekt: Man habe den Behörden "im Rahmen von Nachuntersuchungen in den Räumen von Unister in Leipzig" weitere Unterlagen zur Aufklärung der Vorwürfe vom Dezember 2012 übergeben. Nach Angaben des Unternehmens handelte es sich dabei um Aktennotizen und Korrespondenzen, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Reiseversicherungen und Datenschutzverstößen stehen.

Die neuen Vorwürfe weist Unister zurück und verweist auf die Berufung eines neuen Datenschutzbeauftragten. "Für uns hat die Datensicherheit oberste Priorität", betont Unister-Sprecher Konstantin Korosides.

Das 2002 gegründete Internetunternehmen war erst im Dezember von der Polizei durchsucht worden. Dabei ging es um den Verdacht unerlaubter Geschäfte mit Reiseversicherungen und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Drei Führungskräfte wurden vorübergehend festgenommen. Unister-Gründer Thomas Wagner hat Anfang Januar angekündigt, sich aus der operativen Geschäftsführung des Unternehmens zurückzuziehen und künftig als Direktor für Strategie und Produktentwicklung zu fungieren. Derzeit wird ein neuer Geschäftsführer gesucht. dh
Meist gelesen
stats