Neue Schleichwerbevorwürfe gegen das ZDF / Sender weist Verdacht zurück

Donnerstag, 13. Januar 2011
Wer suchet der findet: "Bild" deckt weitere Produktplatzierungen auf
Wer suchet der findet: "Bild" deckt weitere Produktplatzierungen auf

Nur einen Tag nachdem die "Süddeutsche Zeitung" von einem neuen Fall möglicher Schleichwerbung beim ZDF berichtet hat, präsentiert die "Bild" heute weitere Produktplatzierungen in namhaften TV-Formaten des öffentlich-rechtlichen Senders. So wies die Zeitung in dem Sechsteiler "Die Affäre Semmeling" aus dem Jahr 2002 Platzierungen für das Mineralwasser "San Pellegrino", der Küchenmarke "Alno" und für Ziegeln der Firma "Unipor" nach. Dabei beruft sich "Bild" auf ein Werbedrehbuch der Produktionsfirma Bavaria Film, das der Redaktion vorliegt. Diese ist eine Tochter von WDR, SWR und MDR und war damals für das TV-Event verantwortlich.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, reagierte das ZDF zurückweisend. Bei der redaktionellen Abnahme hätten keine Auffälligkeiten festgestellt werden können. Schleichwerbung sei dem Sender daher nicht bekannt. Ähnlich reagierte der Sender auf die Vorwürfe der "Süddeutschen Zeitung": Von Kooperationen in dieser Sache wisse das ZDF nichts.

Zuletzt musste sich das ZDF im Sommer 2010 solchen Vorwürfen stellen. Im Mai berichtete "Spiegel" über Schleichwerbung im ZDF-Fernsehgarten für den Fachhandel Pflanzen Kölle. Zwar ist laut dem 13. Rundfunkstaatsvertrag Product Placement bei einer entsprechenden Kennzeichnung offiziell erlaubt, jedoch nur für private Fernsehsender.

Derweil hat das ZDF die Schleichwerbevorwürfe zurückgewiesen: Bei der Verwendung des Motivs einer afrikanischen Schirmakazie als Bildlogo eines fiktiven Parfums im TV-Film "Familiengeheimnisse" handele es sich nicht um Schleichwerbung. Die Ähnlichkeit mit dem Logo eines Kosmetikprodukts, das die Schauspielerin Dennenesch Zoudé kreiert hat und bewirbt, war unbeabsichtigt und weder dem Produzenten noch der ZDF-Redaktion bekannt. Das ergaben die sendeinternen Ermittlungen.

Auch der Hersteller der Kosmetiklinie hätte dem ZDF bestätigt, dass es keinerlei Kooperationen in dieser Sache gegeben hat. Weiter teilt der Sender mit, dass der Produzent Oliver Berben dem ZDF zugesichert hat zu überprüfen, wann und wie das Logo in die Produktion gelangt ist. Auch Zoudé habe sich bereits für den "erweckten Anschein" offiziell entschuldigt. Außerdem wird der Film neu überarbeitet. Das heißt sämtliche Szenen, in denen das Akazienlogo zu sehen ist, werden geändert.

In dem Schreiben äußert sich das ZDF ebenfalls zu den Vorwürfen der "Bild" und bestätigt, dass es entsprechende Vereinbarungen gegeben hat. Die Tageszeitung berichtete heute von Schleichwerbung in namhaften TV-Serien des ZDF. Dennoch schiebt der Sender nach, es handle sich dabei um Fälle, die mehrere Jahre zurückliegen. Damals wären solche Kooperationen zwischen Produzenten und Sendern üblich gewesen. Seit 2004 werden diese jedoch nicht mehr praktiziert. hor
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