Neue MDR-Intendantin Karola Wille möchte "Aufklärungsprozess vorantreiben"

Montag, 24. Oktober 2011
Auf Karola Wille wartet eine Herkulesaufgabe
Auf Karola Wille wartet eine Herkulesaufgabe

Karola Wille ist erwartungsgemäß zur neuen Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) gewählt worden. 32 von 39 Mitgliedern des MDR-Rundfunkrates stimmten für die Juristische Direktorin des Senders. Während Vertreter der ARD die Wahl von Wille begrüßten, gab es auch kritische Stimmen. Wille, seit dem Gründungsjahr 1991 für die ostdeutsche Dreiländeranstalt tätig, tritt ihr Amt bereits Anfang kommender Woche an. Ihr Vorgänger, Gründungsintendant Udo Reiter, scheidet Ende Oktober aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt. Reiter, der den MDR zum erfolgreichsten dritten Programm gemacht hat, hinterlässt eine zuletzt krisengeschüttelte Rundfunkanstalt. In einem ersten Statement kündigte Wille daher an  "zuallererst den begonnen Aufklärungsprozess entschieden voranzutreiben, und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen". Daneben wolle sie "den MDR für das digitale Medienzeitalter programmlich, strukturell und finanziell zukunftsfähig machen". Dabei will die neue Intendantin offenbar auch personell einen sauberen Schnitt machen: "Ich setze dabei auf eine kompetente neue Führungsmannschaft und eine werte- und leistungsorientierte Führung des Senders", so Wille.

Der Verwaltungsrat des MDR hatte mit Bernd Hilder, Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung", zunächst einen externen Kandidaten favorisiert. Hilder war allerdings am Votum des Rundfunkrates gescheitert.

Die Wahl von Wille, die bereits seit 2003 Vertreterin von Udo Reiter ist, wurde erwartungsgemäß auch von kritischen Stimmen begleitet: "Es hätte dem MDR gut getan, wenn jemand von außen den MDR in eine neue Zeit geführt hätte", sagte der MDR-Rundfunkrat und Fraktionschef der CDU im Thüringer Landtag, Mike Mohring, gegenüber der "Leipziger Volkszeitung". "Die künftige Intendanz hat eine Menge an Aufgaben zu leisten, damit der MDR wieder unter die Aufsicht der Gremien und zu einem vernünftigen Geschäftsgebaren zurückfindet." Auch inhaltlich übte der CDU-Politiker scharfe Kritik an dem oft als zu volkstümlich kritisierten MDR Fernsehen: "Das ganze Ostalgie-Gehampel ist sowieso nicht mehr zum Anschauen und entspricht schon längst nicht mehr dem mehrheitlichen Denken der von der Drei-Länder-Anstalt versorgten Bürger".

Auf Wille warten also schwierige Aufgaben: Sie muss nicht nur die internen Strukturen reformieren, die die jüngsten Skandale beim MDR erst ermöglicht haben, sie muss auch den externen Kritikern beweisen, dass sie als langjährige Führungskraft die Richtige ist, um den MDR wieder auf Vordermann zu bringen. Nicht jeder wird sie um ihren neuen Job beneiden: "Sie übernimmt das Ruder des MDR in schwierigen Zeiten", kommentiert die ARD-Vorsitzende Monika Piel ihre Wahl: "Ich wünsche ihr für die vor ihr liegende Aufgabe viel Kraft, Entschlossenheit und auch den Mut, Neues zu wagen." Karola Wille wird all das brauchen. dh
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