Neue Chance für Emotion: Viel Partnerschaft und wenig Ratgeber

Freitag, 12. Februar 2010
Steffi Graf ziert die aktuelle Ausgabe von "Emotion"
Steffi Graf ziert die aktuelle Ausgabe von "Emotion"

Die März-Ausgabe des Frauenmagazins "Emotion", seit Mittwoch im Markt, ist die erste unter der Regie der neuen Haupteigentümerin, Herausgeberin und Geschäftsführerin Katarzyna Mol. Die frühere G+J-Verlagsleiterin hatte das kränkelnde Monatsheft (IVW 4/2009: 72.902 verkaufte Exemplare / minus 42 Prozent) mit weiteren Investoren dem Verlag abgekauft und das Konzept gründlich überarbeitet. Weniger Studien und Ratgeber, stattdessen mehr Thementiefe und Schicksalsgeschichten - das hat sich Mol vorgenommen. HORIZONT.NET hat die Relaunch-Ausgabe daraufhin getestet und kommt zu dem Urteil: Eine gelungene Repositionierung.

Die Zeitschrift ist in die Rubriken "Neuland", "Emotion-Themen", "Women at work" und "Wohlfühlen" unterteilt. Die Titelgeschichte porträtiert Steffi Graf. Herzstück ist ein 15-seitiges Dossier zum Thema Selbstbild und Außenwirkung ("Bin ich wirklich so?"). Im Reportage-Stil geschrieben und treffend bebildert wird hier ein Thema mit Tiefgang angepackt. So werden Stammleser des 2006 als Psychologie-Magazin gestarteten Hefts nicht verprellt, gleichzeitig unterscheidet es sich dadurch vom Konkurrenzumfeld.

Der erste Heftteil besteht aus kleinteiligen News-Seiten, außerdem gibt es CD, Film und Kulturtipps. Ein Schwerpunkt des zweiten Heftteils sind Partnerschafts-Themen. Hier werden die heiklen Fragen des Lebens aufgegriffen. Beispielsweise in dem Artikel über die neue Partnerin des Ex ("Warum mit ihr und nicht mit mir?") oder dem Beitrag über Seitensprünge ("Ich hatte eine Affäre"). Außerdem gibt es eine Betroffenenreportage über die Mutter eines Opfers des Winnenden-Amoklaufs. Mit diesen emotionalen Geschichten kommen die Heftmacher ihrem Anspruch mehr Gefühl ins Blatt zu bringen, sehr nahe.

Schicksalsgeschichten sollen mehr Gefühle transportieren
Schicksalsgeschichten sollen mehr Gefühle transportieren
"Emotion" gelingt es außerdem, Nähe zur Leserin aufzubauen. Die Autoren des Hefts stellen sich zu Beginn mit Foto vor, in der Rubrik "Fragen ans Leben" beantwortet eine Beziehungsexpertin die Fragen der Leserinnen.

Bei allem Neuen, einen Kern der "alten" Emotion haben Herausgeberin Mol und Chefredakteurin Dorothee Röhrig beibehalten: Das letzte Heftdrittel widmet sich dem Thema Job. Es gibt einen Artikel über Speedcoaching („Ich will, dass die anderen sehen, was ich leiste") und darüber hinaus Hinweise auf Vortragsreihen und Seminare. Dieses Angebot fortzuführen ist klug, schließlich gibt es neben „Emotion" nur wenige Frauenmagazine, die sich auf diesem Gebiet profiliert haben.

Fazit: Das Frauenmagazin lässt die Ratgeber-Ecke hinter sich, glücklicherweise bleibt dabei die Psychologie-Kompetenz nicht auf der Strecke. se
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