Neue Chance für DAB Plus: Bundesweite Ausschreibung digitaler Radio-Kapazitäten

Freitag, 22. Januar 2010
Vergabe von Radio-Kapazitäten bringt neuen Schwung in DAB Plus-Debatte
Vergabe von Radio-Kapazitäten bringt neuen Schwung in DAB Plus-Debatte

Heute beginnt bundesweit die Ausschreibung für digitale Radio-Kapazitäten. Alle Interessenten für einen digitalen Radio-Sendeplatz können sich auf gemeinsamen Beschluss der Landesmedienanstalten in der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) bis zum 12. März, 12.00 Uhr, bei der Landesmedienanstalt Saarland bewerben. Wenn sich genügend qualifizierte private Anbieter melden, ist frühestens Anfang 2011 mit einem Neustart des Digitalradios im DAB Plus-Standard zu rechnen. Ein Drittel der zur Verfügung stehenden Kapazitäten haben die Ministerpräsidenten bereits dem Deutschlandradio zugeordnet. Die übrigen zwei Drittel sollen nun vorrangig an private Hörfunkprogramme und sonstige Audioangebote verteilt werden, „die unter Berücksichtigung der bestehenden Hörfunklandschaft in den Ländern die Meinungsvielfalt in Deutschland stärken können", so die ZAK. Dabei geht es besonders um Angebote mit den Schwerpunkten Information, Wirtschaft, Sport, Religion sowie speziellen musikalischen Stilrichtungen.

Das Unterfangen DAB Plus wird von vielen privaten Anbietern als äußerst risikoreich eingestuft: Es muss ein komplett neues Netz mit neuen Programmen aufgebaut werden, außerdem existieren am Markt bislang nur wenig Geräte - Reichweite und Werbeeinnahmen würden also zunächst ausbleiben. Stattdessen müssen Investitionen im dreistelligen Millionen-Bereich getätigt werden, um zumindest die grundlegende Verbreitung des neuen Standards zu finanzieren. Im aktuell schwierigen wirtschaftlichen Umfeld sah der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) schon im Juni 2009 keine Möglichkeit für derartige Investitionen und hat sich gegen den Start von DAB Plus ausgesprochen.

DAB Plus ist jedoch nicht das einzige Format, das sich als Nachfolger von UKW durchsetzen möchte. Auch Internetradio ist stark im Kommen und dank der vorhandenen Empfangsgeräte jetzt schon eine Nasenlänge voraus. Zudem ist es bereits möglich, die Reichweite auszuweisen und so festzustellen, wie viele Hörer das Programm nutzen. Allerdings liegt der klare Nachteil des Internetradios derzeit noch bei den Kosten: Je mehr Menschen einem Sender online lauschen, desto teurer wird es für den Programmanbieter. Bei DAB Plus hingegen wird wie bei UKW nur für die Frequenz gezahlt.

Hans-Dieter Hillmoth sieht die neue Technik mit Skepsis
Hans-Dieter Hillmoth sieht die neue Technik mit Skepsis
Die privaten Rundfunkunternehmen müssen sich jetzt einer Grundsatzfrage stellen: Werden sie trotz aller Risiken ins Geschäft um DAB Plus eintreten, um den Einstieg nicht zu verpassen, oder lassen sie aufgrund der schwierigen finanziellen Lage und der vielen ungeklärten Fragen die mögliche Wachstumschance verstreichen. Nur eine intensive Prüfung des Ausschreibungstextes kann zu einer Entscheidung führen. Einige Unternehmen positionieren sich jedoch jetzt schon ganz klar: "Für FFH kommt DAB Plus nicht in Frage", erklärt Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer und Programmdirektor FFH sowie Vize-Präsident VPRT. "Die Technik wird sich beim Hörer nicht durchsetzen, wir investieren lieber in Digitalradio im Internet. Dort herrscht eine extreme Nachfrage, bei DAB Plus ist der Zug hingegen abgefahren." Sara Weber
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