Neue Banner-Standards: Deutsche reagieren verhalten auf den IAB-Vorschlag

Freitag, 09. März 2001

Schöner, bunter, größer. Mit 7 neuen Standard-Größen für Online-Werbung will das amerikanische Internet Advertising Bureau (IAB) der kriselnden Web-Werbung auf die Sprünge helfen. Bei Agenturen und Vermarktern hierzulande stößt der Vorschlag auf geteilte Resonanz.

"Größere Formate? Unbedingt", meint beispielsweise Rainer Kiefer, Chef der Frankfurter Internet-Agentur KCM. "Größere Anzeigenflächen sind die Voraussetzung für die Präsentation spannenderer Inhalte wie TV-Spots oder In-Shop-Lösungen, die den Nutzer direkt am Point of Ad abholen." Besonders In-Shop-Lösungen, so Kiefer, hätten den Vorteil, dass der Surfer beim Klick auf den Banner die aktuelle Website nicht mehr verlässt, sondern direkt im Banner etwa ein Buch bestellen kann. Aktuelles Beispiel: die Online-Werbung für den Bookshop von Haberl auf FAZ.NET.Solchen "innovativen Sonderformaten" prophezeit Kiefer in den nächsten zwei Jahren eine exorbitante Steigerungsquote von 40 Prozent.

Ralf Scharnhorst, Mediadirektor bei Sinner Schrader, Hamburg, und Leiter des Arbeitskreises Media im Deutschen Multimedia-Verband (dmmv), bewertet die IAB-Initiative grundsätzlich positiv, aber sie greift seiner Ansicht nach zu kurz: "Online-Werbung wird wie Printwerbung behandelt, wenn wir nur Breite mal Höhe definieren. Wir müssen sie aber zukünftig mehr mit TV-Werbung vergleichen. Und daher auch Zeitmaße wie 20 oder 30 Sekunden Dauer und Kilobyte-Standards festsetzen." Auch für Tibor Gaddum vom Hamburger Onlinevermarkter Double Click geht der IAB-Vorschlag am zentralen Thema vorbei: "Die Form ist nicht das Problem, sondern der Inhalt. Wir haben jetzt eine größere Fläche, aber offen bleibt die Frage, wie diese Fläche gefüllt wird. Was wir brauchen sind neue Technologien, höhere Interaktivität, bessere Motive und stärkere Animationen."

Geht es nach Agenturen und Vermarktern in Deutschland, heißt die Devise im Bannergeschäft also: Klasse statt Masse. Und die Luxusversionen der Web-Anzeigen dürfen auch etwas mehr kosten: Nach Schätzung von Agenturchef Kiefer sind die neuen Formate durchschnittlich 30 Prozent teurer als konventionelle Banner.
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