Netzgemeinde spottet über Wulff-Interviewerin Bettina Schausten

Donnerstag, 05. Januar 2012
Bettina Schausten leitet das ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin (Bild: ZDF/Sascha Baumann)
Bettina Schausten leitet das ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin (Bild: ZDF/Sascha Baumann)


Eigentlich müsste Christian Wulff Bettina Schausten dankbar sein. Diese zog mit der Aussage, sie würde für Übernachtungen bei guten Freunden 150 Euro bezahlen, den Spott der Netzgemeinde auf sich und lenkte so - zumindest teilweise - vom heftig in der Schusslinie stehenden Bundespräsidenten ab. Das Übernachtungsportal Airbnb generierte aus Schaustens Aussage gar eine veritable Geschäftsidee.
Airbnb, das Übernachtungen bei Privatpersonen vermittelt,  präsentiert sich auf seinem deutschsprachigen Blog als "günstigere Alternative" zu den von Schausten genannten 150 Euro. "Außerdem erhält jeder, der bis zum 30. Juni 2012 im Zuge einer Buchung unter www.airbnb.de den Couponcode „FRAUSCHAUSTEN“ eingibt, eine Ermäßigung von 50,- EUR für jede Buchung über 150,- EUR", ist dort zu lesen. Das Webportal 9Flats, das auf einem ähnlichen Geschäftsmodell beruht wie Airbnb, zog prompt nach und installierte Schausten kurzerhand als Werbegesicht. "Sie haben eine verantwortungsvolle Position in der Politik, Wirtschaft oder den Medien? Sie wollen trotzdem bei Ihren reichen Freunden übernachten? Machen Sie es so, wie Bettina Schausten es empfiehlt: bezahlen Sie Ihre Freunde", so der Rat von 9Flats.

Bei Facebook wird fleißig gelästert
Bei Facebook wird fleißig gelästert
Auch in den Social Networks befand sich der Läster-Zug schnell in voller Fahrt. Wenige Stunden nach dem Interview schossen bei Facebook erste Gruppen aus dem Boden: "Bettina Schausten muss ihre bezahlten Übernachtungen bei Freunden offen legen" verzeichnete am Donnerstag Mittag fast 2.500 Mitglieder. Die Gruppe "Übernachte bei Bettina Schausten" hat Stand jetzt zwar erst 639 Mitglieder, aktuell steigt die Zahl der Fans jedoch minütlich. Auf beiden Seiten dominiert der Spott über die Journalistin: Beide Gruppen haben die Statusmeldung "Bettina lädt euch herzlich zu sich nach Hause ein. Rechnung von 150 Euro zuzügl. MwSt. gibt es am Tag der Abreise. Bezahlt werden kann in Bar oder per Kreditkarte. Check-out ist bis 10:30 Uhr" an ihre Pinnwand gepostet. Zudem fragt ein User, "ob die Freunde von Frau Schausten diese Einnahme auch ordnungsgemäß versteuert haben."

Auch auf Twitter häufen sich die Statusmeldungen zum Hashtag "Frau Schausten". "Dieses Interview hat Frau Schausten mehr geschadet als jemandem geholfen", bilanziert dort User Lee445. Die Episode gehört zudem seit heute auch zur inoffiziellen Vita Schaustens: In ihrem Eintrag auf Wikipedia findet sich neben relevanten beruflichen Informationen mittlerweile auch die "150-Euro-Frage"

Die Kritisierte selbst kann indes die Aufregung nicht verstehen. Gegenüber dem "Tagesspiegel" sagte Schausten: "Der Präsident versuchte, das Thema durch seine Gegenfrage an mich auf eine rein privat-menschliche Ebene herunterzubrechen, was ich durch meine spontane Antwort blockiert habe. Gekippt ist das Gespräch deshalb nicht." ire

Bettina Schausten und die 150 Euro: Auszug aus dem Wulff-Interview

Meist gelesen
stats