Nach dem Skandal: Murdoch spielt bei Übernahme von BSkyB auf Zeit

Dienstag, 12. Juli 2011
Rupert Murdoch kämpft weiter um die Übernahmen von BSkyB
Rupert Murdoch kämpft weiter um die Übernahmen von BSkyB

Eigentlich wollte Rupert Murdoch mit der Einstellung der Skandalzeitung "News of the Worlds" einen sauberen Schnitt machen und so schnell wie möglich wieder zur Tagesordnung übergehen. Immerhin steht die Übernahme des Fernsehsenders BSkyB auf dem Spiel. Es sollte der größte Deal in der Geschichte des Medienkonzerns News Corporation werden. Doch der Skandal schlägt weiter hohe Wellen, der Milliardendeal droht zu platzen. Noch vor wenigen Tagen hatte es so ausgesehen, als würde Medienminister Jeremy Hunt die geplante Übernahme innerhalb weniger Tage durchwinken. Murdoch, der aktuell 39 Prozent an dem erfolgreichen Pay-TV-Sender BSkyB hält, will die restlichen Anteile für rund 8 Milliarden Pfund übernehmen. Doch nun könnte der Skandal um abgehörte Telefone Murdoch in letzter Minute einen Strich durch die Rechnung machen.

Gestern kündigte Medienminister Hunt an, dass sowohl die Rundfunkbehörde Ofcom als auch die Wettbewerbsbehörde die Übernahmen erneut überprüfen sollen. Dabei soll es nicht nur um wettbewerbsrechtliche Fragen gehen: Im Rahmen einer Tauglichkeitsprüfung kommt nun sogar die generelle Eignung des Medienkonzerns zum Betrieb eines Rundfunksenders auf den Prüfstand. Im schlimmsten Fall, also einem negativen Bescheid, wäre sogar das gesamte Engagement von News Corp bei BSkyB in Gefahr.

Rupert Murdoch, der sich derzeit selbst in London aufhält, spielt derweil auf Zeit. Mit einer knappen Mitteilung zog News Corp gestern seine Zusage an die britischen  Wettbewerbsbehörden zurück, im Fall einer Übernahme von BSkyB im Gegenzug den Nachrichtensender Sky zu verkaufen. Die Reaktion erfolgte prompt: Die Competition Commission will den Deal nun erneut überprüfen. Beobachter vermuten hinter dem Schritt Kalkül: Eine erneute Überprüfung der Übernahme würde sich über Monate hinziehen. Bis dahin, so hofft Murdoch offenbar, wird sich die Aufregung über den Abhörskandal bei der "News of the World" wieder gelegt haben. dh
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