Nach Rundem Tisch: Grosso-Gesetz wird immer wahrscheinlicher

Freitag, 14. September 2012
Andreas Schoo, Bauer Media Group, fordert Reformen
Andreas Schoo, Bauer Media Group, fordert Reformen

Es war zu erwarten: Der Bundesverband Presse-Grosso und die Bauer Media Group haben den dritten Runden Tisch im Bundeswirtschaftsministerium ohne Einigung verlassen. Eine gesetzliche Regelung des deutschen Pressevertriebs wird demnach immer wahrscheinlicher. Das Treffen bei Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, galt als letzte Chance, sich trotz des Urteils des Landgerichts Köln, in dem das Verhandlungsmandat der Lobby-Organisation gekippt worden war, informell zu einigen. Doch greifbare Ergebnisse waren am Donnerstag Fehlanzeige, meldet der Vertriebs-Pressedienst dnv. Die Berichterstatter der Regierungsfraktionen im Wirtschaftsausschuss des Bundestags haben demnach bereits angekündigt, die Freistellung des Presse-Grosso und der Verlegerverbände vom Kartellverbot gesetzlich festzuschreiben.

Dass die Positionen, wie bereits bei der Jahrestagung des Bundesverbandes in Baden-Baden angekündigt, weiter auseinander wie je zuvor sind, zeigt auch die Aussage von Andreas Schoo, Geschäftsführer der Bauer Media Group: "Weder leere Worte noch eine gesetzliche Zementierung des Status Quo machen den Pressevertrieb in Deutschland zukunftsfähig. Stattdessen benötigen wir konkrete Reformen." Auf Verlagen und dem Pressegroßhandel laste durch die Absatzverluste bei  Zeitungen und Zeitschriften ein großer wirtschaftlicher Druck, wegen dem sich die Branche die "aktuell aufgeblähte Vertriebsorganisation" nicht mehr leisten könne.

Laut Schoo fordert Bauer vor allem eine strukturelle Konsolidierung, eine angepasste Vergütung im Grosso-System und eine professionelle Betreuung im Einzelhandel. Die Gespräche hätten jedoch gezeigt, dass der Grosso-Verband zu Reformen nicht bereit sei. Für die Organisation eine unbegründete Kritik. Der Verband sei ausreichend von seinen Mitgliedern mandatiert und habe bis heute immer wieder bewiesen, verbindliche Vereinbarungen für die Branche treffen zu können. Mit diesen müssten jedoch alle Beteiligten leben können, nicht nur ein einzelner Verlag.

Nach Ansicht von Grosso-Vorsitzendem Frank Nolte liefert die Initiative der Politik einen wertvollen Beitrag, auf nationaler und EU-Ebene wieder Rechtssicherheit herzustellen: "Wir haben jetzt Grund zur Hoffnung, dass unser auf Pluralität ausgerichtetes Grosso-System nicht in gerichtlichen Auseinandersetzungen zerrieben wird und wir wieder alle Energie darauf richten können, Stukturwandel und Modernisierung aktiv zu betreiben." In welchem Ausmaß der Verband dies auch in Richtung Einzelhandelsmarketing bereits tue, sei bei der Jahrestagung deutlich geworden. Die guten Dispositions- und Logistikleistungen sowie die hohe Serviceorientierung seien seit der jüngsten Kundenbefragung im presseführenden Einzelhandel bestätigt. "Solche Attribute sprechen für sich", betont Nolte. kl
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