Nach Razzia: Haftbefehle gegen Führungskräfte von Unister erlassen

Mittwoch, 12. Dezember 2012
Unister-Chef Thomas Wagner
Unister-Chef Thomas Wagner

Das Leipziger Internetunternehmen Unister hat erneut Ärger: Am Dienstag morgen durchsuchten Beamte die Firmenzentrale in Leipzig sowie weitere Büros und Wohnungen. Der Verdacht: Unerlaubte Geschäfte mit Reiseversicherungen und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Zwei Manager wurden verhaftet. Es bestehe Flucht- und Verdunklungsgefahr. Am Dienstag morgen durchsuchten rund 130 Ermittler 20 Büros und Wohnungen, unter anderem in Leipzig, Dresden, Hamburg und Stralsund. Der Vorwurf: "Wir ermitteln gegen acht Führungsmitglieder wegen des Verdachts der unbefugten Geschäftstätigkeit und Steuerhinterziehung", erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden. Gegen zwei Manager wurde Haftbefehl erlassen. Nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung" gehört auch Unternehmensgründer Thomas Wagner zu den beiden festgenommenen Führungskräften.

Konkret geht es um Reiserücktrittsversicherungen, die das Unternehmen auf seinen Portalen Fluege.de und Ab-in-den-urlaub.de anbietet. Für die beiden Reiseportale hat Unister prominente Werbebotschafter wie Michael Ballack und Reiner Calmund gewonnen (siehe Spots anbei). Anstatt wie bei solchen Angeboten üblich, stand dahinter keine Versicherungsgesellschaft, sondern Unister selbst. "Wir gehen davon aus, dass die Firma über die von ihr betriebenen Internetportale Versicherungsprodukte vertrieben hat, ohne dafür die erforderliche Genehmigung des Bundesaufsichtsamtes für Versicherungswesen zu haben", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Dadurch sind dem Fiskus außerdem Versicherungssteuern in Millionenhöhe entgangen, weshalb auch wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt wird.

Unister selbst bezeichnet die Durchsuchungen in einer Presseerklärung als "unverhältnismäßig". Das Unternehmen selbst bewerte die angebotenen Produkte als "Nebenleistung zur Reisevermittlung" und nicht als Versicherung. Man stehe in dieser Frage allerdings schon seit "geraumer Zeit" in Kontakt mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Unister hatte erst im Sommer für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte die "Computer Bild" über die teilweise fragwürdigen Geschäftspraktiken des Unternehmens berichtet. Unter anderem wurde dem Unternehmen vorgeworfen, bei Flugbuchungen versteckte Gebühren auf den Preis aufzuschlagen oder mit fragwürdigen Preisnachlässen zu werben. Das Unternehmen wurde 2002 von dem damaligen BWL-Studenten Wagner gegründet und beschäftigt heute rund 1500 Mitarbeiter. Neben Fluege.de und Ab-in-den-urlaub.de gehören auch Portale wie Auto.de, Preisvergleich.de oder News.de zu der Firmengruppe. dh
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