NSU-Prozess: "FAZ" und "Zeit" gehen leer aus / "Welt" erwägt Klage

Montag, 29. April 2013
Der NSU-Prozessbeginnt am kommenden Montag in München (Foto: Corgarashu / Fotolia)
Der NSU-Prozessbeginnt am kommenden Montag in München (Foto: Corgarashu / Fotolia)


Die Sitzplätze für Medienvertreter für den NSU-Prozess sind vergeben. Am heutigen Montag loste
ein Notar in den Räumen des Oberlandesgerichts München die 50 Presseplätze aus. Das Losverfahren zog fast unweigerlich einige Absurditäten nach sich: So gingen bedeutende Medien wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Die Welt" und "Die Zeit" leer aus, während Lokalsender und Anzeigenblätter Sitzplätze ergattern konnten. Als erste überregionale Tageszeitung erwägt "Die Welt" eine Klage gegen das neue Verfahren. Vor allem Tageszeitungen dürften heute gespannt auf das Ergebnis des Losverfahrens für den NSU-Prozess gewartet haben. Für "werktäglich erscheinende Printmedien" waren bei 71 Bewerbungen lediglich acht Plätze reserviert. Als einzige überregionale Tageszeitung wurde die "Bild" ausgelost. Alle anderen bedeutenden überregionalen Blätter gingen dagegen leer aus: "Frankfurter Allgemeine", "Die Welt" und die "taz" müssen draußen bleiben. Die übrigen Plätze gingen an die "Allgäuer Zeitung", die "Passauer Neue Presse", die "Pforzheimer Zeitung", die "Sächsische Zeitung" aus Dresden, die "Oberhessische Presse Marburg", die "Stuttgarter Zeitung" und die "Lübecker Nachrichten". Die "Süddeutsche Zeitung" kam mit dem "SZ Magazin" immerhin über die Gruppe der wöchentlich erscheinenden Medien zum Zug. Losglück in dieser Gruppe hatten außerdem die beiden großen Magazine "Spiegel" und "Focus". Auch das Frauenmagazin "Brigitte" kam zum Zug, während der "Stern" nicht ausgelost wurde.

Glück im Unglück hatte das ZDF: Während die Mainzer in der Gruppe der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender nicht ausgelost wurden - die lediglich zwei festen Plätze gingen an die ARD und den WDR - wurde das ZDF über den Gruppenloskorb ausgelost. Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk berichten der Deutschlandfunk, BR und SWR. Eine Überraschung gab es in der Gruppe der privaten Fernsehsender: Mit Kabel Eins kam ein Sender von Pro Sieben Sat 1 zum Zug, der zweite gesetzte Platz ging an den regionalen Sender Ebru TV mit Sitz in Offenbach. Die Mediengruppe RTL hat durch die Auslosung von RTL 2 einen Platz im Saal sicher.

Interessant ist auch der Blick auf die ausländischen Medien: Die vier für türkische Medien reservierten Plätze gingen an die Tageszeitungen "Sabah" (die mit ihrem Eilantrag die Neuvergabe der Presseplätze erforderlich gemacht hatte), "Hürriyet" und "Evrensel" sowie das Büro Instanbul des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera. Für Griechenland berichtet der Rundfunksender ERT, in der Untergruppe für persische Medien gab es überhaupt keinen Bewerber. Außerdem wurden das "Svenska Dagbladet", die "Neue Zürcher Zeitung", der niederländische Rundfunk NOS und France 2 ausgelost.

Auch das neue Vergabeverfahren sorgt bereits wieder für Unmut: So verkündete "Welt"-Chefredakteur Jan-Eric Peters über Facebook: "Der wichtigste Prozess in diesem Jahr in Deutschland, und die drei großen überregionalen Qualitätszeitungen des Landes sind ausgeschlossen, anders als etwa das Anzeigenblatt 'Hallo München' das ist doch absurd. Wir erwägen eine juristische Klärung." Auch die "FAZ", die im ersten Akkreditierungsverfahren einen Platz zugeteilt bekommen hatte, kündigte noch am Monatg an, rechtliche Schritte zu prüfen. dh

Die ausgelosten Medien im Überblick

Gruppe 1:

In- und ausländische Nachrichtenagenturen

Radio Dienst

Rufa Rundfunk-Agenturdienst

IHA (Ihlas Haber Ajansi, Türkei)

dpa

dpa English Services GmbH

Gruppe 2:

Fremdsprachige Medien und deutschsprachige Medien mit Sitz im Ausland


ERT (griechischer Rundfunksender Hörfunk/Fernsehen)

Al Jazeera (Büro Istanbul)

"Sabah"

"Hürriyet"

"Evrensel"

Radio Lora München (polnischsprachige Redaktion)

"Svenska Dagbladet"

France 2 Berlin

NOS Niederländischer Rundfunk

"Neue Züricher Zeitung"

Gruppe 3:

Auf Deutsch publizierende Medien mit Sitz im Inland




Fernseh- und Rundfunksender:


ARD

WDR

Ebru TV

Kabel 1

Deutschlandfunk

BR

SWR

TOP FM

Charivari

Radio Lotte Weimar



Printmedien:

"Bild"

"Allgäuer Zeitung"

"Passauer Neue Presse"

"Pforzheimer Zeitung"

"Sächsische Zeitung"

"Oberhessische Presse Marburg"

"Stuttgarter Zeitung"

"Lübecker Nachrichten"

"Focus"

"Stuttgarter Nachrichten Sonntag aktuell"

"Süddeutsches Magazin"

"Der Spiegel"



Gruppenloskorb:


Tom Sundermann (freier Journalist)

"Freie Presse"

"Straubinger Tagblatt"/"Landshuter Zeitung"

"Freies Wort"

"Thüringer Landeszeitung"

Viola Volland (freie Journalistin)

RTL2

"Offenbach Post"

ZDF

"Hallo München"

Hendrik Puls (freier Journalist)

"Junge Welt"

"Brigitte"
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