(N)Onliner Atlas: 19 Millionen Deutsche sind noch immer offline

Donnerstag, 08. Juli 2010
Der (N)Onliner Atlas 2010
Der (N)Onliner Atlas 2010

Der Anteil der Internetnutzer ist hierzulande im vergangenen Jahr um 2,9 Prozentpunkte auf 72 Prozent gestiegen. Trotz dieses Zuwachses ist Deutschland weit von einer digitalen Gesellschaft entfernt, denn noch immer sind knapp 19 Millionen Menschen offline. Dies geht aus der Studie (N)Onliner Atlas 2010 hervor, die TNS Emnid / TNS Infratest seit zehn Jahren im Auftrag der Initiative D21 durchführt. Dafür hat das Marktforschungsunternehmen rund 30.000 Personen ab 14 Jahren befragt. Die Studie zeigt, dass Handlungsbedarf besteht: Im Vergleich zum Vorjahr fällt das aktuelle Wachstum um 1,1 Prozentpunkte geringer aus. Zudem planen nur noch 3,8 Prozent der bisherigen Internet-Abstinenzler, das Netz in den nächsten zwölf Monaten für sich neu zu entdecken. 2009 lag der Wert immerhin noch bei 4,3 Prozent. Die Initiative D21 fordert daher eine gezielte Förderung. Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, kündigte daher an, dass das Wirtschaftsministerium mit seinem Projekt "Internet erfahren" künftig mehr Menschen ins Netz bringen will.

Besonders viel Aufklärungsarbeit ist in den neuen Bundesländern nötig. Brandenburg (Anteil der Internetnutzer an der Bevölkerung: 67,8 Prozent), Sachsen (65,8 Prozent), Thüringen (65,4 Prozent), Sachsen-Anhalt (62,9 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (62,7 Prozent) liegen auf den hinteren Plätzen. Der einsame Spitzenreiter ist weiterhin Bremen mit aktuell 80,2 Prozent Onliner-Anteil. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Plus von 6 Prozentpunkten. Allein Rheinland-Pfalz kann dieses Wachstum mit einer Steigerung von 6,4 Prozentpunkten noch überbieten (Onliner-Anteil: 72,9 Prozent). Die Schere zwischen Ost und West hat sich damit weiter geöffnet. Die Kluft zwischen dem ersten und letzten Bundesland ist auf gewaltige 17,5 Prozentpunkte angewachsen. Auch zwischen Stadt und Land zeichnet sich ein deutliches Gefälle ab. Während in den Ballungsräumen inzwischen 74,8 Prozent der Einwohner im Web surfen, sind es in Orten mit weniger als 5000 Einwohnern gerade einmal 65,8 Prozent.

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Das Wachstum verlangsamt sich (Anklicken zum Vergrößern)
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Immerhin nähern sich dagegen die Bildungsgruppen weiter an. Zum dritten Mal in Folge weist die Bevölkerungsgruppe mit formal einfacher Bildung den höchsten Zuwachs bei der Internetnutzung auf. Um 3,9 Prozentpunkte auf 56,6 Prozent stieg die Zahl der Onliner mit Volks- oder Hauptschulabschluss. Mit 5,0 Prozent sind auch die meisten Nutzungsplaner aller Bildungsgruppen hier vertreten, wodurch man in den nächsten Jahren mit einem weiteren überdurchschnittlichen Wachstum rechnen kann. Trotz dieser positiven Entwicklung liegt diese Bildungsgruppe weiterhin weit hinter den Gruppen mit einem weiterbildenden Schulabschluss (76,2 Prozent Onliner) und der Gruppe mit Abitur oder Studium (88,8 Prozent Onliner). Spitzenreiter sind Schüler, die bereits mit 97,5 Prozent Onliner-Anteil beinahe vollständig im Internet anzutreffen sind.

Auch Best Ager und Geringverdiener holen auf. Auch wenn noch immer die Regel gilt, dass mit steigendem Alter die Internetnutzung abnimmt, verzeichnet in diesem Jahr die Altersgruppe 50 Plus mit 4,7 Prozentpunkten erneut das höchste Wachstum. Inzwischen ist beinahe jeder zweite Best Ager online. Zwar besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Internetnutzung und Einkommen, aber immerhin schaffen Haushalte mit einem Nettoeinkommen von unter 1000 Euro in diesem Jahr erstmals den Sprung über die 50-Prozent-Hürde.

Unverändert zum Vorjahr ist DSL mit weitem Abstand die meist genutzte Internetzugangsart. 42,8 Prozent (Vorjahr 42,5 Prozent) der Bevölkerung gehen darüber breitbandig in die digitale Welt. Die größte Steigerung von 1,2 Prozentpunkten im Breitbandbereich kommt aber dem Kabelanschluss zugute. Aktuell finden 4,5 der Bevölkerung dadurch den Weg ins Netz. Der zweitgrößte Wachstumstreiber ist die Mobilfunknutzung von zu Hause aus: Mit 1,9 Prozent verdoppelt sich nahezu der Bevölkerungsanteil, der diesen Kanal als Hauptzugangsart für die Internetnutzung zu Hause angibt. Gerade die beliebten UMTS-Sticks haben daran einen großen Anteil. bn

Aufholbedarf in den neuen Ländern (Anklicken zum Vergrößern)
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