NDR und RTL beharken sich wegen Panorama-Sendung zum "Lügenfernsehen"

Mittwoch, 06. Juli 2011
"Panorama"-Moderatorin Anja Reschke knöpft sich das Privatfernsehen vor
"Panorama"-Moderatorin Anja Reschke knöpft sich das Privatfernsehen vor


Die "Panorama"-Spezialsendung über das "Lügenfernsehen" der privaten TV-Sender hat zu einem offenen Schlagabtausch zwischen RTL und dem NDR geführt. Nachdem RTL-Sprecher Christian Körner der ARD Ungenauigkeit bei der Auswertung des Programms vorgeworfen hatte, weist der NDR die Kritik nun scharf zurück. Am Dienstag hatte der NDR eine "Panorama"-Spezialsendung zum "Lügenfernsehen" der Privatsender angekündigt. In der Sendung nimmt der öffentlich-rechtliche Sender sogenannte Scripted-Reality-Formate wie "Mitten im Leben" aufs Korn, in denen Laiendarsteller scheinbar echte Alltagsszenen nachstellen. Den steigenden Anteil von Scripted Reality belegt die NDR-Redaktion mit Daten des Institust Göfak, das im Auftrag der Landesmedienanstalten jährliche Programmanalysen erstellt. So sei der Anteil der Informationssendungen bei Vox von 27 Prozent auf 15 Prozent gesunken, seit Scripted-Reality-Formate nicht mehr als Publizistik, sondern als Unterhaltung gewertet werden. Die Privatsender würden mit ungekennzeichneten Sendungen und der Vermischung von Fiktion und Realität die Statistik "aufhübschen", so der Vorwurf von "Panorama".

Vorwürfe, die RTL nicht auf sich sitzen lassen wollte: "Im Eifer ihres manchmal eher verzweifelten Gefechts gegen die Erfolge der Privaten sind die ARD-Kollegen in Sachen Kennzeichnung von Programmen wohl selbst durcheinandergekommen", sagte RTL-Sprecher Christian Körner gegenüber dem Branchendienst Turi2: "Wir jedenfalls weisen unsere Nachrichten als Information aus, unser Nachmittagsprogramm als Unterhaltung. Ein Blick in die Programmlisten der AGF hätte genügt."

NDR-Sprecher Martin Gartzke schießt nun per Pressemitteilung zurück: "Offenbar hat die Ankündigung des 'Panorama'-Spezials einen Nerv getroffen. Allerdings hätte sich der RTL-Kollege die Mühe machen sollen, unsere Pressemeldung genau zu lesen", giftet Gartzke. "Der Absatz, auf den sich der Kollege Körner bezieht, hat die Programmanalysen von Prof. Hans-Jürgen Weiß und seines Institutes ('Göfak') für die Landesmedienanstalten zum Thema - ihnen und nicht der AGF obliegt die Aufsicht über die Privatsender." Das Institut betrachte das Programm durch die Brille der Zuschauer und nicht anhand von AGF-Tabellen. "Verständlich, dass man sich nicht gerne einen Spiegel vorhalten lässt."

Die "Panorama"-Spezialsendung über das "Lügenfernsehen" wird am Donnerstag, 7. Juli um 21.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt. dh
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