NDR-Intendant Marmor: Tagesschau-App macht keinen Markt platt

Mittwoch, 06. Januar 2010
NDR-Intendant Marmor: "Überrascht von heftigen Reaktionen"
NDR-Intendant Marmor: "Überrascht von heftigen Reaktionen"

Die Debatte um den Umgang der Öffentlich-Rechtlichen mit kostenlosen iPhone-Apps erhält neuen Zündstoff. In der „Zeit" (EVT 7. Januar) hat sich Lutz Marmor, Intendant des Norddeutschen Rundfunks, zu Wort gemeldet und die geplante Tagesschau-App gegen die massive Kritik der vergangenen Wochen verteidigt. Der NDR mache mit einer kostenlosen Tagesschau-App den Markt für bezahlbare Applikationen nicht kaputt, sagte Marmor. „Zumal sich das Angebot der Tagesschau von dem der Bild nicht nur inhaltlich stark unterscheiden wird. Unser Schwerpunkt liegt auf dem, was wir am besten können: bewegte Bilder", so Marmor, der auch die Redaktion ARD-aktuell verantwortet. Die Kosten für die Tagesschau-App beliefen sich einmalig auf einen „niedrigen fünfstelligen Betrag für die Entwicklung".

Hintergrund: ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke hatte kurz vor Weihnachten angekündigt, dass die Tagesschau für das Frühjahr 2010 eine Applikation für das iphone plant. Diese Ankündigung rief Verlage auf die Barrikaden, allen voran den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, der forderte, über eine Privatisierung der Öffentlich-Rechtlichen nachzudenken.

Exklusiv für Printabonnenten

Exklusiv für Printabonnenten
Mehr zu der Diskussion um die Zukunft von ARD und ZDF und den Reaktionen der Öffentlich-Rechtlichen auf die Forderungen des VDZ lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 01/2010, die am Donnerstag, 7. Januar erscheint.

HORIZONT abonnieren
HORIZONT E-Paper abonnieren


NDR-Intendant Marmor zeigt sich vom den „heftigen Reaktionen" der Verleger überrascht. Es gebe jede Menge kostenfreier Nachrichtenangebot von Privaten als App fürs iPhone, zm Beispiel von „Stern", „n-tv" und „N24", aber auch von T-Online. „Dass wir einen ganzen Markt für kostenpflichtige Anwendungen plattmachen könnten, ist ernsthaft nicht anzunehmen", so Marmor weiter. Für das Vorhaben sei auch kein Dreistufentest notwendig: „Wir gar nichts Neues, sondern aus drei Klicks einen."

Einen Dreistufentest für die Tagesschau-App fordert wiederum der rheinland-pfälzische Staatssekretär Martin Stadelmaier, der als Chef der Mainzer Staatskanzlei für Medien zuständig ist. Stadelmaier hält das Angebot für testpflichtig. Prüfen hieße aber nicht verbieten, sagt er gegenüber der „Zeit". „Es kann auch nicht sein, dass wir den Öffentlich-Rechtlichen einen Verbreitungsweg komplett verbieten, nur weil er besser für die Privaten kommerziell nutzbar ist als andere." se
Meist gelesen
stats