NDR 2 kickt Radio Hamburg mit Gebühren-Millionen ins Abseits - und gerät doch in die Defensive

Montag, 09. Juni 2008
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Während in Österreich und in der Schweiz der EM-Ball rollt, befeuert in Hamburg ein über die regionalen Medien ausgetragener Fußball-Streit zwischen dem privaten Hörfunksender Radio Hamburg und dem öffentlich-rechtlichen NDR 2 die Diskussion über die Aufgabenteilung im dualen Rundfunksystem. Im Mittelpunkt dabei steht der Fußball-Erstligist Hamburger Sport-Verein (HSV), der Ende vergangener Woche seine bisherige Medienpartnerschaft mit Radio Hamburg vorzeitig - eigentlich wäre der Vertrag bis 2009 gelaufen - auflöste und sich zur neuen Spielsaison für den NDR 2 entschied. Berichten zufolge ist diese Art der Grundversorgung den Öffentlich-Rechtlichen in den kommenden vier Jahren 2 Millionen Euro wert; Radio Hamburg hatte zuvor nur die Hälfte gezahlt. Nach der HSV-Entscheidung thematisierte Radio Hamburg die verlorene Medienpartnerschaft massiv on Air - und vergaß dabei nicht zu erwähnen, dass man als privater, rein werbefinanzierter Sender mit dem gebührenfinanzierten NDR 2 nicht mithalten könne. Die regionalen Blätter "Bild Hamburg" (Axel Springer ist mit 25 Prozent an Radio Hamburg beteiligt) und "Hamburger Morgenpost" (zu 5,8 Prozent am Sender beteiligt) griffen das Thema auf - besonders die offenbar breite Empörung unter den HSV-Fans darüber, dass der beliebte Sänger Lotto King Karl ("Hamburg, meine Perle"), ein Musikerkollege sowie Stadionsprecher Marek Erhardt unter der künftigen Ägide des NDR angeblich nicht mehr die Stadionshow vor den HSV-Heimspielen bestreiten sollten. Die Entertainer stehen als Moderatoren bei Radio Hamburg unter Vertrag.

Am Wochenende nun die neueste Wendung in der norddeutschen Fußball-Posse: Radio Hamburg kickt den Ball zum NDR zurück - und bietet der Gebührenkonkurrenz listig an, ihr seine Kult-Einheizer unentgeltlich auszuleihen. Aber: "Wir wollen, dass sie dabei irgendwo ein Radio-Hamburg-Logo tragen. Und wenn es auf dem Ärmel eines NDR-T-Shirts sein sollte", sagte Radio-Hamburg-Programmdirektor Marzel Becker on Air auf dem eigenen Sender. Er warte nun auf den Anruf von HSV-Präsident Bernd Hoffmann und NDR-Hörfunkdirektor Joachim Knuth. Beim NDR war am Montagmorgen noch keine Stellungnahme zu erhalten. rp

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