N24: Pro Sieben Sat 1 will Nachrichtensender möglicherweise behalten

Donnerstag, 04. März 2010
N24 muss seine Kosten drücken
N24 muss seine Kosten drücken

Überraschend versöhnliche Töne aus Unterföhring: Nachdem in den letzten Wochen der Eindruck vorherrschte, Pro Sieben Sat 1 würde sich lieber heute als morgen von seinem kostenintensiven Nachrichtensender N24 trennen, klingt es nun wieder so, als wäre auch der Verbleib eine ernsthafte Option. Auf der heutigen Bilanzpressekonferenz betont Konzernchef Thomas Ebeling, dass er sich N24 durchaus weiterhin als Teil der Gruppe vorstellen kann. Die Voraussetzung: Die Kosten müssten deutlich sinken.
Will Nachrichten gruppenweit modernisieren: P7S1-Vorstand Andreas Bartl
Will Nachrichten gruppenweit modernisieren: P7S1-Vorstand Andreas Bartl
N24
produziert neben den Nachrichten für den eigenen Sender auch die für die ganze Gruppe. Sat 1, Pro Sieben und Kabel Eins bezahlen für den Bezug der Informationssendungen, die N24 im Auftrag produziert. Um den mit rund 3,3 Milliarden Euro verschuldeten Konzern weniger zu belasten, müssten diese Kosten deutlich sinken, da der Sender auf sich allein gestellt nur via Werbevermarktung kaum profitabel zu führen ist. Die Nachrichtenproduktion verursacht immense Kosten und bringt nur wenig Zuschauer, da die öffentlich-rechtlichen Sender ein starkes Konkurrenzumfeld darstellen.

  Andreas Bartl, Vorstand German Free-TV, will die Formatnachrichten auf den drei großen Sendern daher ohnehin einer Modernisierung unterziehen, um ihnen den direkten Vergleich mit den vor allem bei älteren Zuschauern beliebten Nachrichten auf ARD und ZDF zu ersparen. Von einer stärkeren Einordnung, der Beteiligung von Zuschauern via Votings oder der Aufbereitung von Nachrichten aus Social Media erhofft er sich, ein Angebot für eine jüngere Zuschauerschaft zu schaffen, das auch weiterhin einen Qualitätsanspruch für sich beansprucht - wenn auch mit einer anderen Ausrichtung.

Thomas Ebeling: Das Nachrichtengeschäft ist Teil unserer publizistischen Verpflichtung, der wir uns gerne stellen.“

Völlig außer Frage steht, dass die Sender auf Nachrichten verzichten. „Das Nachrichtengeschäft ist Teil unserer publizistischen Verpflichtung, der wir uns gerne stellen", stellt Ebeling klar.

Bis Ende des 1. Halbjahres will der Vorstand entscheiden, ob N24 im Konzern verbleibt oder verkauft wird. Derzeit lägen mehrere Angebote auf dem Tisch, unter anderem eines für einen Management-Buy-Out von Sendergeschäftsführer Torsten Rossmann und Ex-„Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust. Bei der Entscheidung über die Zukunft von N24 seien fünf Kriterien bei der Beurteilung der Bieterkonzepte entscheidend: Die politische Akzeptanz, die Frage, ob die Qualität der Nachrichten gesichert ist, die Nachhaltigkeit, die Wirtschaftlichkeit und die Sozialverträglichkeit für die Mitarbeiter. „Ohne Personalabbau wird es wahrscheinlich in keinem Szenario gehen", sagt Ebeling. Wichtig sei, dass dieser dann wenigstens so verträglich wie möglich ablaufe. pap
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