N24-Betriebsrat lehnt Management-Buy-Out ab

Montag, 31. Mai 2010
Die Zukunft von N24 bleibt ungewiss
Die Zukunft von N24 bleibt ungewiss

Der Betriebsrat des Nachrichtensenders N24 hat sich laut "Spiegel" gegen ein Managment-Buy-Out gewehrt. Geschäftsführer Torsten Rossmann und der Ex-"Spiegel"-Chefredaktuer Stefan Aust wollen den Kanal übernehmen und neben den Sendern der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe auch andere Kanäle mit Nachrichten beliefern. Um wirtschaftlich erfolgreich zu werden, könnte jedoch rund die Hälfte der 210 Stellen zur Disposition stehen. Auch in dem Fall, dass N24 im Konzern verbleibt - eine Lösung, die CEO Thomas Ebeling mittlerweile nicht mehr ablehnt - stünden laut "Spiegel" wohl rund 100 Stellen auf der Kippe. Das Vertrauen des Betriebsrates in den Sozialplan des TV-Konzerns in Unterföhring scheint jedoch höher zu sein, als in das Konzept des Duos Rossmann/Aust. Nach HORIZONT.NET-Informationen drängen KKR und Permira, die Finanzinvestoren, denen Pro Sieben Sat 1 gehört, jedoch auf einen Verkauf des Kanals.

Als Käufer steht neben Rossmann/Aust auch der ehemalige Kirch-Manager Jan Mojto auf der Matte, der den Sender gemeinsam mit Spiegel TV betreiben will. Diskutiert wird außerdem über das Angebot von Rupert Murdochs News Corp. Dieser sorgt in den USA mit seinem krawalligen Nachrichtensender Fox für Furore. Ein Dreh von N24 in diese Richtung dürfte die aktuelle Diskussion um die Nachrichtenqualität im deutschen Rundfunk allerdings nochmals deutlich befeuern.

Steigen dürften indes die Chancen von Dimitri Lesnewski. Der Russe hatte vergangene Woche den Kleinstsender Das Vierte an Phoneix Media, die hierzulande weitgehend unbekannteTochter der britischen Spirit on Media Group verkauft und angekündigt, sich künftig "wieder auf Projekte zu konzentrieren, in der inhaltliche und publizistische Herausforderungen im Vordergrund stehen". Der 40-jährige Lesnweski gründete 1997 während des Journalistik-Studiums mit seiner Mutter Irena Lesnewskaja den Kreml-kritischen Fernsehsender Ren TV. Er verkaufte den Kanal 2005 nach zunehmendem Druck in der zweiten Amtszeit Wlamdimir Putins. Ren TV gehört heute der RTL Group und Banken.

Geschäftsführer von Phoenix in München ist Ulrich Ende, der ehemalige Geschäftsführer von N24. Ende ist zudem Vorstand der neu gegründeten DDP TV AG. Auch die Nachrichtenagentur DDP, die das Geschäft mit ihrer TV-Tochter ausbauen will, interessiert sich für N24. Die Entscheidung, ob und an wen N24 verkauft wird, soll bis zur Hauptversammlung Ende Juni fallen. pap
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