N-TV kehrt der Hauptstadt den Rücken

Freitag, 19. März 2004

Der Nachrichtensender N-TV gibt seinen Hauptsitz in Berlin auf und baut sein neues digitales Sendezentrum in Köln. Politische Berichte und Talkshows sollen aber nach wie vor aus der Hauptstadt, die Börsendaten aus Frankfurt kommen. Das haben die Gesellschafter RTL und CNN/Time Warner auf einer Sitzung des Aufsichtsrates beschlossen. "Die Entscheidung sichert die Zukunft von N-TV ab", sagte RTL-Chefredakteur Hans Mahr. Der Teil-Umzug ist bereits seit längerem im Gespräch. "Mit Köln als Standort für das neue digitale Sendezentrum ab Herbst 2004 haben wir eine gute Wahl getroffen", sagt N-TV-Chef Johannes Züll. Die Stadt sei "Deutschlands führender Standort für Fernsehsender".

N-TV gehört zu fast gleichen Teilen dem Medienkonzern RTL mit dem Standort Köln sowie CNN/Time Warner und hat rund 250 Mitarbeiter. Mit dem Teil-Umzug wird der 1991 gegründete Nachrichtensender noch weiter in die Senderfamilie integriert. Durch das digitale Sendezentrum in Köln-Ossendorf, in das rund 10 Millionen Euro investiert werden, wird auch eine noch nicht bekannte Anzahl von Stellen eingespart. Sein Gebäude in der Berliner Taubenstraße wird N-TV nicht mehr nutzen und stattdessen die Hauptstadtsendungen im Gebäude von RTL am Schiffbauerdamm produzieren. Dort sollen auch Geschäftsführung und Chefredaktion neben Köln ihren Sitz haben.

Wie viele N-TV-Mitarbeiter aus Berlin wegziehen, ist noch offen. Züll unterstrich, es werde versucht, die Veränderungen für die Belegschaft sozialverträglich zu gestalten. Nach dem Boomjahr 2000 und dem Niedergang der New Economy hatte N-TV deutliche Verluste hinnehmen müssen. Der defizitäre Sender soll nach Zülls Angaben 2005 schwarze Zahlen schreiben. nr
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