Münchner Medientage locken 5500 Besucher

Montag, 18. Oktober 1999

Zum Auftakt der 13. Münchner Medientage diskutierte das Who-is-Who der deutschen Kommunikationsbranche über "Mediavisionen 2000 plus". Wieder einmal stand dabei die Zukunft des dualen Rundfunksystems im Mittelpunkt.

"Je besser der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Auftrag unbeeinflusst von kommerziellen Verlockungen erfüllt, desto besser sind seine Chancen, sich im Konkurrenzkampf mit den Privaten zu behaupten", bekräftigte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber auf den Medientagen, die rund 5500 Fachbesucher nach München zogen. Adressaten seiner Eröffnungsrede waren auch die Rundfunkreferenten der Länder, die sich auf ihrer Mediensonderkonferenz am Freitag zwar über das Abschmelzen des ARD-Finanzausgleichs, aber nicht über die künftige Finanzierung von ARD und ZDF einigen konnten. So wurde die Frage, ob die Öffentlich-Rechtlichen in Zukunft noch Werbung und Sponsoring ausstrahlen dürfen, auf das Frühjahr 2000 vertagt.

Ganz im Sinne der privaten Medienwirtschaft setzte sich Stoiber für den "schrittweisen Abbau der Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein". Die von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs errechneten 18 Pfennig Gebührenerhöhung zum Ausgleich der Sponsoring-Einnahmen seien durchaus verträglich. "Ein Trugschluss", warnte ZDF-Intendant Dieter Stolte in der traditionellen Elefantenrunde. Schließlich plane die Werbewirtschaft Sponsoring und Spots stets zusammen. Ein Wegfall des Sponsorings werde daher automatisch zu "erheblichen Verlusten bei den Werbeeinnahmen", führen.

Gegen die "präventive Marktverstopfung" der Öffentlich-Rechtlichen durch gebührenfinanzierten Spartenkanäle wehrte sich der scheidende Pro-Sieben-Chef Georg Kofler. Vor allem der vom ZDF geplante Theaterkanal, der nicht, wie ursprünglich angekündigt, im nächsten Jahr, sondern schon am 9. Dezember starten soll, sowie das von der ARD geplante Jugendprogramm erhitzten die Gemüter. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk besetzt Themen und Nischen, die auch für das Pay-TV interessant sind", warnte Kirch-Vize Dieter Hahn vor der "digitalen Verspartung von ARD und ZDF".

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