Motor-Presse stärkt Kernmarken im Netz

Donnerstag, 30. Januar 2003

Der Motor-Presse-Verlag in Stuttgart verabschiedet sich endgültig von seiner Portalstrategie im Internet. Das Web-Angebot Netedition.de, unter dessen Dach bislang die Online-Ableger der Consumer-Electronics-Titel "Connect", "Video", "Audio" und "Color Foto" gebündelt waren, ist seit wenigen Tagen nicht mehr zu erreichen. Stattdessen hat das Verlagshaus in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Web-Agentur Seitenblick Interaktive Medien sowie den Design-Spezialisten von Editor Online, München, für jeden Titel eine eigenständige Marken-Site aus dem Boden gestampft.

Den Ausschlag für die Beerdigung von Netedition gab offenbar vor allem der bislang geringe Bekanntheitsgrad des Web-Portals: "Wir sind überzeugt, dass - ganzheitlich betrachtet - unsere einzelnen Print-Marken mehr Strahlkraft haben als die Kunstmarke Netedition", sagt Hans-Martin Burr, der neben seiner Funktion als Herausgeber und Chefredakteur von "Connect" auch der Internet-Unit GB III vorsteht. Der Launch der eigenständigen Websites habe zum Ziel, die Kernmarken nun auch im Internet stärker in den Mittelpunkt zu rücken und damit indirekt auch zur Stärkung der Printobjekte beizutragen.

Nicht zuletzt will die Motor-Presse mit der Neuaufstellung im Web auch Kosten sparen. Der Hintergrund: Die Online-Unit, die ursprünglich neben den Automobilportalen auch Netedition produzierte und bereits 2002 teilweise zum Joint Venture Auto.T-Online. de wanderte, wurde nun vollständig aufgelöst. Drei von vier verbliebenen Mitarbeitern mussten gehen. Für die Produktion der Marken-Sites sind neuerdings - wie bei den anderen Motorpresse-Titeln auch - die Stammredaktionen zuständig. Künftig soll es bei den Printtiteln jeweils einen Redakteur geben, der für die Aktualisierung Bereiche, wo sich User Service-Angebote wie etwa Produkttests gegen eine Gebühr von einem Euro downloaden können.

Einen Neuanfang wird es möglicherweise auch in der Vermarktung geben. Dem Vernehmen nach wird derzeit darüber nachgedacht, die Vermarktung der kleinen Titel selbst in die Hand zu nehmen und den Vertrag mit der G+J-Tochter EMS entsprechend abzuändern. Der Grund: Zu den für Special-Interest-Titel relevanten Werbekunden glaubt man offenbar in Eigenregie einen besseren Draht aufbauen zu können als der auf reichweitenstarke Sites fokussierte Vermarkter. Endgültig entschieden ist aber noch nichts.
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