Motor Presse Stuttgart: Anzeigenchef Jochen Bechtle wettert gegen Vermarktungsfusionen

Mittwoch, 23. November 2011
Motorpresse-Manager Jochen Bechtle
Motorpresse-Manager Jochen Bechtle

Die geplante Vermarktungsfusion von Jahreszeiten Verlag und Teilen der Medweth-Gruppe hat die Diskussion neu entfacht, ob und inwieweit Verlage jenseits der Top Vier im Zeitschriften-Werbemarkt (Burda, G+J, Springer, Bauer) bei der Vermarktung zusammenarbeiten sollten. "Die Zusammenlegung der Vermarktung ist ein hilfreiches Mittel für Verlage, ihrer sinkenden Relevanz etwas entgegenzusetzen", stichelt Frank-Peter Lortz, Chairman bei Zenith Optimedia (HORIZONT 46/2011). Die möglichen Vor- und Nachteile: Höhere Gemeinschaftsreichweiten steigern die Kampagnenfähigkeit und damit die Chancen auf einen Platz in den Terminkalendern und Mediaplänen der Kunden. Hinzu kommen die am besten in breiteren Portfolios realisierbaren "Package-Deals" (Lortz) mit günstigeren Konditionen - was zum Nachteil der Verlage ist. Andererseits sparen gemeinsame Strukturen auf Dauer natürlich Geld.

Einer der theoretischen Kandidaten, die Motor Presse Stuttgart (MPS), spricht sich nun vehement dagegen aus: "Die Relevanz eines Portfolios steigt nicht, wenn man einfach Masse zusammenschiebt", sagt Jochen Bechtle, Leiter des Geschäftsbereichs Anzeigen bei MPS: "Reichweite an sich ist unbegrenzt verfügbar - Qualitätsreichweite nicht." Die MPS schaffe es mit einem Special-Interest-Angebot unter die Top Ten im Umsatzranking.

„Welchen Sinn macht es, die Marktposition zum Beispiel von ,Mountain Bike‘ mit der des ,Spiegel‘ zu vergleichen?", fragt Bechtle. Special Interest lebe von der Relevanz in bestimmten Märkten, und da sei es entscheidend, dass man diese Märkte selbst bearbeite. „Wir behalten die Hoheit über unser Portfolio und Inventar", erklärt Bechtle.

Interessant ist dieses Bekenntnis auch aus einem weiteren Grund: Die Motor Presse Stuttgart gehört mehrheitlich (59,9 Prozent) zu Gruner + Jahr, den Rest halten die Gründerfamilien Pietsch und Dietrich-Troeltsch. Und es ist seit langem kein Geheimnis, dass G+J Media Sales das Stuttgarter Portfolio gerne mit vermarkten würde. Die Familiengesellschafter der MPS waren da bisher allerdings anderer - Bechtles - Meinung. Spannend wird sein zu sehen, inwieweit der bevorstehende Geschäftsführerwechsel bei der MPS etwas daran ändert: Im März 2012 oder etwas später gibt MPS-Chef Friedrich Wehrle sein Amt aus Altersgründen ab - wahrscheinlich an Volker Breid, bisher Geschäftsführer der G+J-Verlagsgruppe Frauen/Familie/People. Bestätigt ist dieser Wechsel bisher allerdings noch nicht. rp
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