Montgomerys Deutsche Zeitungsholding übernimmt die Hamburger Morgenpost

Freitag, 27. Januar 2006
Kauft weiter zu: David Montgomery
Kauft weiter zu: David Montgomery

Jetzt ist es offiziell: Der britische Investor David Montgomery kauft die "Hamburger Morgenpost". Er übernimmt die "MoPo" in die BV Deutsche Zeitungsholding, an der neben seiner Mecom Group auch die US-Investorengruppe Veronis Suhler Stevenson (VSS) beteiligt ist. Dies gab die Holding, über die Montgomery auch den Erwerb des Berliner Verlages ("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier") im Oktober 2005 abgewickelt hatte, am heutigen Freitag bekannt. Der Kontrakt soll Ende Februar rechtskräftig werden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Laut Mitteilung übernimmt die Investoren-Holding "vorbehaltlich der Zustimmung des Bundeskartellamtes " alle Anteile von den beiden bisherigen Eigentümern, dem Verleger und Millionenerben Hans Barlach (bisher 90 Prozent) und dem "Mopo"-Geschäftsführer und -Chefredakteur Josef Depenbrock (10 Prozent). Depenbrock wird laut Mitteilung seine Ämter weiterhin ausüben sowie zusätzliche Managementaufgaben in der BV-Holding übernehmen. Barlach soll der "Mopo" als Herausgeber verbunden bleiben und zugleich Anteile an der BV-Holding übernehmen. Das Management des Berliner Verlags sowie Gerd Schulte-Hillen sind dort neben Montgomerys Mecom und VSS ebenfalls bereits beteiligt.

Mecom und VSS betrachten den "Mopo"-Kauf als "langfristiges Investment und logische Weiterentwicklung der mit dem Kauf des Berliner Verlages Ende 2005 begonnenen Strategie" mit dem Ziel, eine Zeitungskette in Deutschland zu formen.

Im Geschäftsjahr 2004/2005 erzielte die "Mopo" 20 Millionen Euro Umsatz bei einem Vorsteuergewinn von 1,4 Millionen Euro. Der Titel, der täglich 111.000 Hefte verkauft (IVW 4/2005), ist in Hamburg der einzige nennenswerte Konkurrent zu den fünf Axel-Springer-Zeitungen. Das Boulevardblatt kann mit dem "Berliner Kurier" aus Montgomerys Berliner Verlag verglichen werden. Noch Anfang November 2005 hatte "Mopo"-Chef Depenbrock im HORIZONT-Interview bekannt, als Teileigner "langfristige Interessen" zu verfolgen.

Mit dem neuerlichen Verkauf setzt sich die bewegte Eigentümerhistorie der ältesten Boulevardzeitung Deutschlands fort: 1949 gründete die SPD die "Mopo". Nach Spitzen von bis zu 400.000 Stück sank die Auflage; 1980 verkaufte die Partei den Titel an die Schweizer Verlegerfamilie Greif. Diese trat die "Mopo" 1986 an Gruner + Jahr ab. Neun Chefredakteure versuchten in der G+J-Ära ihr Glück, darunter Wolfgang Clement und Mathias Döpfner. 1999 kauften die Unternehmer Frank Otto und Hans Barlach die damals hoch defizitäre "Mopo" - und meldeten nach einem rigiden Sparkurs nach einem Jahr schwarze Zahlen. 2004 übernahm Barlach Ottos Anteile, Depenbrock beteiligte sich mit 5 Prozent und stockte im April 2005 auf 10 Prozent auf. rp
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