Mobile Kostenlos-Kultur: Warum Nokia mit seinen Gratis-Landkarten auf dem richtigen Weg ist

Mittwoch, 17. Februar 2010
Nokia bietet Landkarten neuerdings gratis an
Nokia bietet Landkarten neuerdings gratis an

Die Kostenlos-Kultur gibt offenbar auch im mobilen Internet den Takt vor. Das legen jedenfalls die aktuellen Zahlen nahe, die Nokia auf dem Mobile World Congress 2010 in Barcelona vorgelegt hat. Laut Niklas Savander, Chef der Services-Einheit von Nokia, wird inzwischen an jedem Wochentag jede Sekunde eine Navigations-App heruntergeladen. Unter dem Strich haben Handynutzer seit Ende Januar rund 3 Millionen Landkarten downgeloadet - das macht rund 100.000 am Tag. Möglich wurde dieses "großartige Ergebnis" (O-Ton Savander) freilich erst durch einen Strategiewechsel, der auf den ersten Blick zumindest erklärungsbedürftig ist: Denn seit Ende Januar 2010 bietet der finnische Handyriese Landkarten für Autofahrer und Fußgänger sowie Verkehrsinfos in 74 Ländern kostenlos an. Vor allem die von der viel gescholtenen Kostenlos-Kultur im stationären Internet geplagten Verlage dürften der Maßnahme daher skeptisch gegenüberstehen. Denn der Vorstoß von Nokia könnte schließlich dazu führen, dass die vergleichsweise hohe Zahlungsbereitschaft der Handynutzer unterminiert wird - mit der Folge, dass sich auch im mobilen Web Paid Content nur schwer durchsetzen lässt.

Weiterlesen: So bewerten Experten die Nokia-Strategie

 

Mark Wächter sagt mobiler Werbung große Zukunft voraus
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Experten halten die Nokia-Strategie dennoch für richtig - beziehungsweise sogar für unausweichlich. Das liegt zum einen daran, dass die Konkurrenz bereits Fakten geschaffen hat. So verlangt auch Google von Handy-Nutzern kein Geld mehr für seine Landkarten. "Das führt dann zwangsläufig dazu, dass ein Geschäftsmodell in sich zusammenbricht", weiß Mark Wächter, Gründer der auf den Mobile-Markt spezialisierten Strategieberatung MWC.Mobi in Hattingen.

Zum anderen wird immer deutlicher, dass sich die Werbevermarktung auch im mobilen Internet als Haupterlösquelle etablieren wird. Eine Entwicklung, auf die die Anbieter reagieren müssen: "Der Aufbau einer relevanten Vermarktungsreichweite muss oberste Priorität haben", fordert etwa Alex Sutter, Mitglied des Vorstandes beim Berliner Mobile-Dienstleister YOC. Sutter glaubt, dass Nokia mit der Vermarktung von Werbeflächen innerhalb der kostenlosen Landkarten ein Umsatzpotenzial erschließt, das die Vertriebserlöse deutlich übersteigt. "Generell werden im mobilen Internet Vermarktungserlöse rund zwei Drittel zu den Gesamtumsätzen beitragen, kostenpflichtige Applikationen und Dienste rund ein Drittel", sagt Sutter. 

YOC-Vorstand Alex Sutter fordert den Aufbau einer relevanten Vermarktungsreichweite
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Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. "Von den geschätzt 4,5 Milliarden Apps, die Handynutzer 2010 weltweit herunterladen, werden rund 80 Prozent kostenlos sein. Das heißt aber nicht, dass hier kein Geld verdient wird", glaubt auch Mark Wächter. Der Experte, der sich auch in der Fachgruppe Mobile des BVDW engagiert, schätzt, dass kommerzielle Mobil-Angebote mittelfristig rund 70 Prozent ihrer Erlöse über Werbung und nur 30 Prozent über Bezahlmodelle wie etwa Premium-Services erzielen werden.

Die hohe Relevanz der Werbevermarktung wird auch durch aktuelle Marktentwicklungen gestützt. So hat Apple kürzlich für 275 Millionen Dollar den Mobile-Vermarkter Quattro Wireless übernommen, Google legte sich für 750 Millionen Dollar den Wettbewerber AdMob zu, die Browser-Marke Opera schnappte sich Ad Marvel und der Vermarkter Ring Ring Media gehört inzwischen zum Mobile-Dienstleister Amobee Media Systems. Zukäufe von hoher strategischer Bedeutung, die die künftige Marktentwicklung vorzeichnen: "Man sieht ganz klar, dass die großen Player gerade ihre Claims abstecken", sagt Wächter.

Auch beim Internetverband Eco ist man von dem Potenzial mobiler Werbung überzeugt. In einer aktuellen Studie, die ebenfalls auf dem Mobile World Congress 2010 in Barcelona vorgestellt wurde, erklärten 50 Prozent der befragten Experten, dass das Geschäftsmodell der mobilen Applikation künftig auf Werbung basieren wird, während nur ein Drittel die kostenpflichtige App als Zukunftsmodell bezeichnete. mas 
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