Mitarbeiter KG sucht bereits seit Wochen vergeblich nach Aust-Nachfolger

Montag, 19. November 2007
Seine Abberufung steht wohl schon seit Wochen fest: Stefan Aust
Seine Abberufung steht wohl schon seit Wochen fest: Stefan Aust

Kurz nach dem Bekanntwerden der vorzeitigen Kündigung des „Spiegel"-Chefredakteurs Stefan Aust kommen Einzelheiten dieser Entscheidung ans Tageslicht: Nach HORIZONT-Informationen sucht die Geschäftsführung der Mitarbeiter KG als Hauptgesellschafter des Verlags (50,5 Prozent) bereits seit über fünf Wochen nach einem Nachfolger für Aust.

Dies habe Armin Mahler, Sprecher der KG-Geschäftsführung und im Hauptberuf Wirtschaftsressortleiter beim „Spiegel", am Freitag vor leitenden Redakteuren gesagt, heißt es im Verlag. Das bedeutet: Bereits vor der Gesellschafterversammlung am 7. November stand offenbar fest, dass Aust Ende 2008 gehen muss und seinen Vertrag nicht bis 2010 erfüllen darf. Mahler war bis Freitagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Zuvor hatte Mahler die Abberufung seines Chefs wie folgt begründet: „Wir sind der Meinung, dass der ,Spiegel‘ einen Modernisierungsschub braucht. Wir wollen mehr junge Leute an das Blatt binden. Dazu braucht es eine frische, neue Kraft." Wirtschaftliche Gründe für die Trennung gebe es nicht, so Mahler.

Mit ihrer Entscheidung - und damit, dass nichts davon aus dem fünfköpfigen Gremium nach außen gedrungen ist - hat die KG-Führung wohl nahezu alle knapp 800 Stillen Gesellschafter überrascht. Zwar war der oft hemdsärmelig auftretende Aust in der Redaktion seit seinem Amtsantritt 1994 nie unumstritten, doch selbst in den Augen seiner meist eher persönlich motivierten Kritiker war er gemessen am Markterfolg erfolgreich. Zudem schien ein geeigneter Nachfolger nicht in Sicht. Daher galt es als wahrscheinlich, dass die Gesellschafter Austs Vertrag nicht vorab kündigen, um diese personelle Baustelle nicht vorzeitig zu eröffnen. Denn gleichzeitig gilt auch Geschäftsführer Mario Frank seit seinem „Spiegel"-Start im Januar 2007 als umstritten.

Muss auch er gehen? Geschäftsführer Mario Frank
Muss auch er gehen? Geschäftsführer Mario Frank
Die Hoffnung der KG-Führung, mehr Ruhe in die ewigen Machtdiskussionen an der Hamburger Brandstwiete zu bringen, dürfte sich jetzt erst recht zerschlagen: Zum einen machen nun unter den Aust-Anhängern Überlegungen die Runde, eine vorzeitige Neuwahl der für drei Jahre gewählten KG-Spitze zu veranlassen; dafür müssten mindestens 100 Stille Gesellschafter zustimmen. Zum anderen wird spekuliert, dass die Gegner von Aust und Frank in der KG-Führung einen Deal vereinbart haben könnten: Danach könnten die Aust-Gefolgsleute seiner Demission nur unter der Bedingung zugestimmt haben, dass man sich zu einem geeigneten Zeitpunkt - wenn ein Nachfolger gefunden ist - auch von Frank trennt.

Außerdem wächst die Irritation darüber, dass die Suche nach einem Aust-Nachfolger offenbar schwer fällt. So werten leitende Mitarbeiter die Information, dass etwa ein ehemaliger Washington-Korrespondent der „Zeit" angefragt wurde, als Zeichen dafür, dass Top-Kandidaten wie „Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo bereits abgewinkt haben. Als interne Kandidaten werden vor allem Online-Chef Mathias Müller von Blumencron und „Spiegel"-Vize Martin Doerry gehandelt. Am Montag will sich die KG-Führung mit den Ressortleitern treffen, um über die Personalie zu diskutieren. Dabei könnte es auch um die Gründung eines Redaktionsbeirates gehen, der bei der Berufung des Chefredakteurs mitreden dürfte.

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