Millionen-Übernahme: Wie Xing den Markt für Employer Branding aufrollen will

Dienstag, 08. Januar 2013
Wie Felix Baumgartner: Kununu vergleicht die Übernahme durch Xing mit Sprung aus der Stratosphäre
Wie Felix Baumgartner: Kununu vergleicht die Übernahme durch Xing mit Sprung aus der Stratosphäre
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Xing rüstet sich für den Kampf gegen den aufstrebenden Konkurrenten Linkedin. Das kürzlich von Burda übernommene Hamburger Business-Netzwerk will mit dem Kauf  der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu die erste Adresse für Employer Branding im deutschsprachigen Raum werden. Für den Zukauf greift Xing tief in die Tasche. Je nach Geschäftsverlauf werden bis zu 9,4 Millionen Euro fällig. "Bereits heute ist Xing deutscher Marktführer im Social Recruiting. Der Kauf von Kununu stärkt unsere Position in diesem Wachstumsmarkt deutlich", kommentiert Xing-CEO Thomas Vollmoeller die Akquisition. Die 2007 in Wien mit einer Anschubfinanzierung des von Madsack und WAZ betriebenen Inkubators TheMediaLab gegründete Plattform ist für die Jobsuche in etwa das, was Holidaycheck für die Urlaubsplanung ist: So können auf Kununu Mitarbeiter, Ex-Mitarbeiter, Auszubildende und Praktikanten ihr Unternehmen unter anderem in Bezug auf Betriebsklima, Aufstiegschancen und Gehalt bewerten. Dank der inzwischen mehr als 240.000 Firmenbewertungen sollen Jobsuchende einen Einblick in Unternehmen aus erster Hand bekommen. Für Xing besonders interessant, weil hoch lukrativ, sind die gebrandeten Profile, die Unternehmen auf Kununu kostenpflichtig erwerben können. Nach HORIZONT.NET-Informationen haben die Beiträge der aktuell 400 zahlenden Firmenkunden wesentlich dazu beigetragen, dass das 30-köpfige Start-up im vergangenen Jahr den Sprung in die Gewinnschwelle geschafft hat.

Video: So kommuniziert Kununu die Übernahme durch Xing



Mit Unternehmensprofilen hat Xing auch selbst schon reichlich Erfahrung gesammelt. Immerhin 111.000 Firmeneinträge zählte das Hamburger Unternehmen im September vergangenen Jahres. Dank der Kooperation, die Xing bereits vor 2 Jahren mit Kununu vereinbart hat, können die Unternehmen bereits heute sehen, wie sie von ihren Mitarbeitern bewertet werden.

Bleiben an Bord: Kununu-Gründer und Geschäftsführer Mark und Martin Poreda
Bleiben an Bord: Kununu-Gründer und Geschäftsführer Mark und Martin Poreda
Mit der Komplett-Übernahme von Kununu, das als Marke weiterbestehen soll, will Xing nun den nächsten großen Schritt wagen. "Gemeinsam können wir mehr, sind schneller und erreichen mehr Kunden. Wir wollen eine neue Ära für den Karrieresektor und für die Jobsuche einläuten, in der Arbeitgeberbewertungen die neue Währung des Employer Brandings sind", sagt Kununu-Gründer und CEO Martin Poreda, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Mark weiter leiten wird.

Auch Xing-Boss Vollmoeller hofft auf reichlich Synergieeffekte: Ziel der Übernahme sei es, den Nutzern "einzigartige Einblicke in das Innere von Unternehmen" zu bieten. Im Gegenzug wolle man Firmen in die Lage versetzen, ihre Position im Kampf um Talente stärken. "Das ist umso wichtiger, da öffentliche Arbeitgeberbewertungen durch die Mitarbeiter der jeweiligen Firmen nachhaltiges Employer Branding unerlässlich machen", so Vollmoeller weiter.

Angesichts der hochgesteckten Ziele überrascht es nicht, dass Xing bereit ist, für Kununu einen stolzen Preis zu zahlen. Der Vertrag sieht zunächst eine Einmalzahlung in Höhe von 3,6 Millionen Euro vor. Je nach Umsatz- und der EBITDA-Entwicklung von Kununu in den Jahren 2013 bis 2014 können bis Februar 2015 weitere Zahlungen in Höhe von 5,8 Millionen Euro fällig werden.

Anzahl der Mitglieder des Social Network "Xing" vom 4. Quartal 2006 bis zum 3. Quartal 2012 (in Millionen)

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Nachvollziehbar wird die Investition schon deshalb, weil Xing im Stammgeschäft mit Arbeitnehmer-Accounts allmählich an Wachstumsgrenzen stößt - und mit Linkedin ein internationaler Player verstärkt um die Gunst der Xing-Nutzer wirbt. So hat Linkedin im deutschsprachigen Europa zuletzt stark aufgeholt. Für den Monat November 2012 gibt das Business-Netzwerk für die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz eine Kundenzahl von mehr als 3 Millionen an. Weltweit sind bereits 187 Millionen Geschäftsleute bei Linkedin beigetreten. Xing hat nach eigenen Angaben 12 Millionen Mitglieder - davon 6 Millionen im deutschsprachigen Raum. mas
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