"Million Dollar Shootingstar" im HORIZONT-Check: Warum der Bar-Refaeli-Bonus nicht zieht

Donnerstag, 29. November 2012
Topmodel Bar Refaeli mit ihren Jurykollegen Peyman Amin (l.) und Oliver Gast (r.)
Topmodel Bar Refaeli mit ihren Jurykollegen Peyman Amin (l.) und Oliver Gast (r.)


Was war im Vorfeld nicht alles über die neue Modelshow "Million Dollar Shootingstar" mit Bar Refaeli spekuliert worden: Das israelische Supermodel könnte mit ihrer neuen Sendung Heidi Klums "Germany’s Next Topmodel" vom Thron stoßen und damit eine neue Ära der Modelshows einläuten. Doch daraus wird wohl nichts: Die erste Folge von "Million Dollar Shooting Star" hat eine derart heftige Bauchlandung hingelegt, dass Sat 1 das Format mit großer Wahrscheinlichkeit wohl umgehend wieder aus dem Programm nehmen wird. Tatsächlich bot die Sendung kaum Neues oder Überraschendes. Da half auch der Bar-Refaeli-Bonus am Ende nicht weiter.
Der größte Unterschied zu dem bekannten Modelcasting von Pro Sieben besteht darin, dass bei "Million Dollar Shooting Star" keine blutigen Anfängerinnen über den Catwalk staksen, sondern etablierte Models gegeneinander antreten. In insgesamt zehn Shootings – lobend erwähnt sei an dieser Stelle, dass sich Sat 1 Begriffe wie "Challenge" oder "Battle" verkniffen hat – müssen die zumeist noch sehr jungen Teilnehmerinnen zeigen, was sie vor der Kamera können. Ziel eines jedes Shootings ist "das perfekte Foto".

Das Model, dem das beste Foto gelingt, bekommt pro Shooting 100.000 US-Dollar – allerdings nicht bar auf die Hand, sondern in einen persönlichen Safe. Im besten Fall könnte ein Model also eine Million Dollar abräumen, wenn sie alle zehn Wettbewerbe gewinnt – und am Ende noch von den Zuschauerinnen zur Siegerin gewählt wird. Schon der Titel der Show ist also ein ziemlicher Euphemismus. Dazu winkt der Siegerin – natürlich – eine große internationale Karriere anstelle des tristen Daseins als Kleiderständer für Versandhauskataloge und C&A-Kampagnen.

Anstelle von schrillen Kandidatinnen à la Gina-Lisa Lohfink bekommt der Zuschauer bei "Million Dollar Shootingstar" also im Großen und Ganzen professionell agierende Models zu sehen, was dem Unterhaltungswert allerdings nicht unbedingt zugute kommt. Damit die Fotosessions trotzdem nicht in professioneller Geschäftigkeit versinken, hat die Produktionsfirma  möglichst spektakuläre Locations ausgewählt. Beim ersten Shooting mussten sich die Models beispielsweise an einem großen Autokran hängend in eine Felsspalte in der israelischen Wüste stürzen – kamerataugliche Tränen, Schreie und Schmerzen inklusive.

Ansonsten erinnert der Ablauf von "Million Dollar Shootingstar" doch sehr an das bekannte Schema von "Germany’s Next Tomodel": Shooting, Bewertung, Shooting, Bewertung, Shooting, Bewertung, usw usf. Zur Auflockerung dürfen sich die Nachwuchsmodels in kurzen Einspielern wahlweise ausheulen, anzicken oder beteuern, wie ernst es ihnen mit der großen internationalen Modelkarriere ist. Insofern bietet "Million Dollar Shootingstar" nichts wirklich Neues zu bekannten und etablierten Modelshows und -castings. Dadurch, dass keine Kandidatinnen rausfliegen können, entfällt zudem ein gelerntes dramaturgisches Element.

Und Bar Refaeli? Das international gefeierte Topmodel aus Israel sieht umwerfend aus, lächelt, ist aber natürlich ein Profi durch und durch: Trotz ihrer angenehm natürlichen Art wirkt sie immer ein wenig distanziert, wozu sicherlich auch beiträgt, dass sie fast durchweg Englisch spricht und untertitelt wird. "Million Dollar Shooting Star" ist für sie ein Job, den sie perfekt und professionell erledigt. Echte Empathie für die Kandidatinnen oder gar Begeisterung sind indes kaum zu spüren. Heidi Klum dürfte das Zepter als einzig wahre Modelmama wohl auch weiterhin fest in der Hand halten. dh
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