"Mein Kopf gehört mir": Werber und Medienmanager rechnen mit den Piraten ab

Donnerstag, 05. April 2012
Frank Dopheide
Frank Dopheide

Der Streit um die Zukunft der Urheberrechte treibt Politiker, Kreative und Medienschaffende um. Seitdem die Piratenpartei bei etlichen Wahlen Achtungserfolge erzielen konnte und in bundesweiten Umfragen bei 12 Prozent liegt, steht das Thema Urheberrechte wieder weit oben auf der Tagesordnung.  Unter dem Motto "Mein Kopf gehört mir!" hat das "Handelsblatt" für seine Osterausgabe 100 Künstler, Kreative, Medienschaffende und Unternehmer um Statements zum Thema Urheberrechte gebeten und mit einem leidenschaftlichen Appell zum Schutz des geistigen Eigentums verbunden. Auch im "Focus" melden sich zahlreiche Künstler und Kulturschaffende zu Wort. Regisseur Volker Schlöndorff wird in seiner Wortwahl deutlich: "Die Forderung der Piraten läuft auf eine Abschaffung von Kultur und Kreativität hinaus, zugunsten von ein paar instant satisfaction suchenden Wichsern."

Schauspieler und Regisseur Michael "Bully" Herbig geht aber auch mit sich und den eigenen Kollegen ins Gericht: "Weil man nicht gerne als geldgeil und uncool und noch Schlimmeres gelten möchte, bleiben die meisten Künstler (gerne Urheber genannt) eingeschüchtert in 'Shitstorm-Deckung', halten brav die Klappe und hoffen, dass die Politik ihre Rechte verteidigt. Aber die wollen sich's natürlich auch nicht mit der 'Community' versauen. Und somit sind alle irgendwie unzufrieden ... außer Google & Co." Horizont.net dokumentiert ausgewählte Statements von Kreativen und Medienschaffenden. dh

Frank Dopheide, Chairman Deutsche Markenarbeit und Scholz & Friends

"Kapern gehört zum Handwerk eines Piraten - ist als Zukunftsmodell aber wenig werthaltig. Als entscheidende Ressource für die Zukunft gilt unser Ideenreichtum. Wie das Wort schon sagt. Die Idee. Sie ist ein schöpferischer Gedanke, der neuen Wert in unsere Welt bringt. Erfindungsreiche Geiste brauchen unseren Schutz. Denn mit Ideenreichtum ist aus dem Land der Dichter und Denker die Heimat der Ingenieure und Erfinder geworden."

Philipp Welte
Philipp Welte

Philipp Welte, Vorstand Hubert Burda Media

"Die schleichende Demontage des Urheberrechts durch den parasitären Missbrauch teurer Inhalte bedroht das Fundament unserer Kreativwirtschaft und setzt bedeutende Funktionen in unserer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft leichtfertig aufs Spiel."

Bernd Buchholz
Bernd Buchholz

Bernd Buchholz, Vorstandsvorsitzender Gruner + Jahr

"Wir müssen einer Mentalität entgegentreten, nach der es sich im Internet um einen rechtsfreien Raum handelt. Und so wie ein Konsument schon in der Offline-Welt zum Eigengebrauch zum Beispiel Musikstücke erwerben und diese dann natürlich auf einer Party einsetzen und anderen vorspielen konnte, so wenig durfte er auch schon früher damit dann kommerzielle Partys veranstalten und unter Ausnutzung fremder Rechte sein Geschäftsmodell etablieren. Genau darum, um nicht mehr und nicht weniger geht es auch beim Leistungsschutzrecht für Verlage. Es geht auch darum, für die digitale Transformation unserer Geschäfte einen sicheren Rechtsrahmen zu haben."


Michael Konken
Michael Konken

Michael Konken, Vorsitzender Deutscher Journalisten-Verband

"Wer glaubt und fordert, geistige Werke müsse es zum Nulltarif für alle geben, gräbt den kreativen Berufen das Grab. Denn ob es den Befürwortern der Null-Euro-Lösung passt oder nicht: Viele Tausend Menschen in Deutschland, darunter rund 25.000 freie Journalistinnen und Journalisten, müssen von ihren Texten, Bildern und Filmen leben. Das Letzte, was wir brauchen, ist ein Journalismus, der nur noch als Hobby in der Freizeit betrieben würde, weil die Journalisten anderweitig Geld verdienen müssten."


Helmut Thoma
Helmut Thoma

Helmut Thoma, Ex-Chef von RTL und Medienberater

"Kein Mensch arbeitet, wenn er keine Belohnung bekommt. Das Kapital im kreativen Bereich ist das geistige Eigentum, das künftig besser geschützt werden muss. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Bislang gibt es noch keinen sicheren Weg, den Diebstahl geistigen Eigentums zu verhindern. Heute können Filme in wenigen Minuten illegal heruntergeladen werden. Wir müssen daran arbeiten, besser und effektiver die Urheberrechte zu schützen oder neue digitale Verwertungsformen aufzubauen."


Helmut Heinen
Helmut Heinen

Helmut Heinen, Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger

"Wenn Urheber und Werkmittler, wie zum Beispiel Verlage, ihrer Leistungen beraubt werden, kann keine vielfältige Medienlandschaft existieren. Der Schutz des geistigen Eigentums ist eine zivilisatorische Errungenschaft - wie die Demokratie."


Thomas Middelhoff
Thomas Middelhoff

Thomas Middelhoff, Investor und Ex-Chef von Bertelsmann

"Es widerspricht dem Prinzip des Rechts am geistigen Eigentum, wenn von den Piraten die Forderung nach freier Nutzung sämtlicher kreativer und gedanklicher Leistungen im Internet aufgestellt wird. Seit Beginn des Web 1.0 war den treibenden Kräften klar, dass Liberalität bei der Ausgestaltung des Internets einhergehen muss mit dem Schutz des Rechts am geistigen Eigentum. Eine Freigabe aller Rechte würde am Zeitstrahl zu einer Verödung des Internets führen: Inhalte, die von Künstlern, Medienschaffenden, Geisteswissenschaftlern mitentwickelt werden, würden zu anderen Plattformen abwandern."


Dietmar Karpinski
Dietmar Karpinski

Dietmar Karpinski, Geschäftsführender Gesellschafter KNSK

"Natürlich gibt es ein geistiges Eigentum. Natürlich gehören Ideen Menschen und Unternehmen. Und natürlich wird die Piraten-Partei mit ihren Themen schon bald wieder unter fünf Prozent landen."


Lothar Leonhard
Lothar Leonhard

Lothar Leonhard, Chairman Ogilvy & Mather

"Piraten sind Freibeuter. Ihre Beute ist der Besitz anderer. Wer das Recht auf Eigentum infrage stellt, will eine andere Gesellschaft. Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Und es bleibt zu hoffen, dass die Rechtssicherheit nicht aufgegeben wird zugunsten populistischer Annäherungen an einen populären Trend."

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