"Meet" im HORIZONT-Check: Gut gebauter Doppel-Whopper

Dienstag, 04. Juni 2013
"Meet" kommt am 5. Juni an den Kiosk
"Meet" kommt am 5. Juni an den Kiosk

Am Kiosk herrscht ab sofort akute Verwechslungsgefahr: Das neue Food- und Lifestyle-Magazin "Meet" von Hubert Burda Media hat mit Gruner+Jahrs "Beef" ein sehr offensichtliches Vorbild. Hier wie da gibt es Fleisch satt – nicht nur auf dem Cover. Aber auch der beste Koch hat mal klein angefangen und sich seine ersten Rezepte irgendwo abgeschaut. Was am Herd letztlich zählt, ist das Ergebnis. Und das kann sich im Fall von "Meet" durchaus sehen lassen. Aber wir haben auch das eine oder andere Haar in der Suppe gefunden.

Amuse-Gueule

Das erste schnelle Durchblättern von "Meet" macht durchaus Appetit auf mehr: Die Rezepte sind toll fotografiert und lassen dem Leser förmlich das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die Zutaten für ein gelungenes Menu stimmen: Viele Rezepte, Einkaufs- und Ausgehtipps, dazu die offenbar unvermeidlichen Produktseiten und eine Reisereportage. So weit, so gut. Nur hier und da bleibt der Blick irritiert hängen. Doch dazu später mehr. 

Die Rezepte sind appetitanregend in Szene gesetzt
Die Rezepte sind appetitanregend in Szene gesetzt

Die Zutaten

Was erwartet Mann von einer Kochzeitschrift? Von der offensichtlichen Antwort hat sich auch die Redaktion des Burda-Titels "Lust auf Genuss", die für "Meet" am Herd stand, leiten lassen: Ganz viel Fleisch. Passend zur Grill-Saison geht es mit einem Klassiker los: dem Burger. Das ist nicht unbedingt überraschend oder innovativ, allerdings stellt die Redaktion neben der altbekannten Basis-Version immerhin Varianten mit Kapern, Fetakäse oder Lammfleisch vor.

Sehr konventionell sind die Rezepte für die Grillparty mit Freunden geraten: Steaks, Spareribs, Chicken Wings, Maiskolben, Marshmallows. Immerhin sind die Rezepte einfach erklärt und ansprechend bebildert. Ebenfalls relativ erwartbar, aber solide umgesetzt sind die Geschichten über die besten Fleischsorten der Welt oder das beste Grill-Equipment. Recht deftig sind auch die Frühstücktipps geraten. Allerdings blickt "Meet" auch mal über den Tellerrand und stellt seine Leser mit einer Auswahl vegetarischer Gerichte auf die Probe. Und sonst? Eine Reisereportage weiht den Leser in die kulinarischen Geheimnisse von Kapstadt ein, es gibt erotisch in Szene gesetzte Dessert-Rezepte und ein Stück über das neben Bier wohl männlichste Getränk der Welt: Whisky. Den gelungenen Abschluss bilden aktuelle Restauranttipps, eine Übersicht über die originellsten mobilen Imbissstände und die besten Apps für die Küche.

Insgesamt hat die Redaktion von "Meet", das am Mittwoch zum "Probierpreis" von 4,80 Euro an den Kiosk kommt, aus bewährten Zutaten ein gelungenes Menu für kochinteressierte Männer zusammengestellt. Allerdings wäre an der einen oder anderen Stelle weniger mehr gewesen: Die Vorstellung von Shampoos auf Bierbasis geht in einer Kochzeitschrift ja noch durch. Aber ein Text zum 50-jährigen Jubiläum des Porsche 911 wirkt selbst in einem Food-Magazin für Männer irgendwie deplatziert. Benzin und Barbecue passen einfach nicht zusammen. Ebenfalls schön anzuschauen, aber vollkommen verzichtbar sind außerdem die erotischen Fotos in der Strecke über Schokoladen-Desserts. Dass man mit Schokosauce nicht nur Eis verzieren kann, dürfte der Zielgruppe hinlänglich bekannt sein. Warum also unnötig vom eigentlichen Thema ablenken? Nicht zuletzt die Produktseiten wirken wie aus dem Standard-Bausatz für Frauen- oder Lifestylemagazine. Ein guter Cocktail schmeckt auch ohne Schirmchen.

Das Layout

Für ein gelungenes Essen braucht man nicht nur gute Zutaten, schön angerichtet sollte es auch sein. Das Auge isst schließlich mit. Und auch hier leistet sich "Meet" keine großen Schwächen. Das Layout wirkt modern und aufgeräumt, die vorgestellten Gerichte sind appetitanregend in Szene gesetzt. Auch insgesamt macht das Heft dank Klebebindung und schwerem Papier einen hochwertigen Eindruck. Einige Anleihen bei Konkurrenten wie "Beef" und "Deli" sind aber auch hier unverkennbar.

Fazit

Bietet "Meet" das bessere "Beef"? Beide Kochzeitschriften bieten hübsch verpackte Rezepte für echte Männer. Wozu man(n) am Kiosk greift, ist wohl wie die ewige Frage McDonald’s oder Burger King: Reine Geschmackssache. Fleisch satt bieten sie beide. dh

"Meet" bietet viel Fleisch: Nackt und gegrillt
"Meet" bietet viel Fleisch: Nackt und gegrillt
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