"Medium is the fucking Message": Springer-Chef Döpfner geht unter die Laienschauspieler

Freitag, 16. September 2011
Wer sich angesprochen fühlt, kann sich bei Springer melden
Wer sich angesprochen fühlt, kann sich bei Springer melden

Wer ist hier der Boss? Dieser Satz spricht aus dem perplexen Blick, den Springer-Vorstand Mathias Döpfner jenem jungen Mann zuwirft, der sich gerade vor der versammelten Führungsriege des Medienkonzerns um Kopf und Kragen zu reden scheint. Die Szene stammt aus einem Viral, mit dem der Axel Springer Konzern auf die Suche nach Unternehmertalenten aus dem digitalen Umfeld geht.

"Media Entrepreneurs", so der Name des Projekts, soll nach Unternehmensangaben zur "Transformation der Medien" beitragen. Ein Anliegen, hinter dem der Führungskreis von Springer geschlossen steht, wie aus dem Web-Video ersichtlich wird. Neben Döpfner spielen auch Technik-Vorstand Rudolf Knepper, Finanzchef Lothar Lanz und "Bild"-Vorstand Andreas Wiele einen Part in dem Kurzfilm. Sagen muss von ihnen allerdings keiner etwas: Der junge Mann, der ganz offensichtlich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, bestreitet die Show komplett alleine. Nicht nur, dass er telefonierend den Raum betritt und die potenziellen Arbeitgeber kaum eines Blickes würdigt. Als er das Telefonat beendet hat, führt er sich auf, als sei er der Chef und alle anderen hätten ihm zuzuarbeiten. Beim ihm zähle nur eins, verkündet der Schnösel: "Content is King, and the Medium is the fucking Message!".

Bumm! Das hat gesessen. Sein mitgebrachtes Konzept ist zwar nicht mehr als eine Strichzeichnung. Dennoch hat der junge Mann etwas an sich, was Unternehmertum braucht: Elan, Pepp, Hummeln im Hintern. Und die entsprechende Fucking Attitude.

Konzeption und Umsetzung stammen von Scholz & Friends, auch an der Idee zu dem Viral war die Agentur maßgeblich beteiligt. Doch der Kurzfilm ist nur ein Teil der Kampagne: Nicht weniger ausgefallen sind die Print-Motive, mit denen Springer die Initiative bewirbt: Sie sind gestaltet wie eine Stellenanzeige und gesucht wird darauf etwa ein "Global High-Performance WTF Hot Shit Engineer of Superior Benchmark Media Mastership (m/w)". So ironisch das Ganze auch klingt, ein Funken Ernst steckt doch darin. "Media Entrepreneurs" soll jene Talente finden, die es schaffen, die ausgeschriebenen Worthülsen mit Leben und Inhalt zu füllen. Die Anzeigen werden vornehmlich in den Blättern der "Welt"-Gruppe zu sehen sein.

"Media Entrepreneurs ist für uns ein spannendes Experiment. Wir wollen Menschen für Axel Springer begeistern, die Medien-Knowhow mit unternehmerischem Talent intelligent verbinden und so neue digitale Geschäftsmodelle vorantreiben. Derzeit entstehen viele neue Geschäftsansätze im eCommerce-Bereich. Das begrüßen wir sehr, möchten aber mit der Initiative zugleich einen stärkeren Impuls für mediennahe Geschäftsmodelle geben", erklärt Ulrich Schmitz, Chief Technology Officer bei Springer. "Im Rahmen von Media Entrepreneurs öffnet Axel Springer kreativen Köpfen eine weitere Tür, um digitale Geschäftsideen in einem dynamischen, multimedial integrierten Medienunternehmen umzusetzen und damit die Zukunft der Medien aktiv mitzugestalten."

Bis zum 31. Oktober können sich Talente auf media-entrepreneurs.de für einen Workshop bewerben, auf dem der Nachwuchs gemeinsam mit Führungskräften von Springer konkrete Ideen und aktuelle Herausforderungen der Digitalisierung von Medien dikutiert. Die Veranstaltung findet am 21. und 22. November in Berlin statt. ire
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