Medienwächter: ARD hat die größte Macht

Mittwoch, 24. Oktober 2012
Siegfried Schneider, Präsident der BLM
Siegfried Schneider, Präsident der BLM

In einem neuen Modell versucht die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) die Meinungsmacht der deutschen Medienkonzerne zu berechnen. An der Spitze des „Medienvielfaltsmonitor“ steht die ARD mit 22,2 Prozent, mit deutlichem Abstand gefolgt von Bertelsmann (RTL, Gruner + Jahr) mit 14,2 Prozent und Pro Sieben Sat 1 mit 8,9 Prozent. Es folgen Axel Springer („Bild“, „Welt“) mit 8,4 Prozent und das ZDF mit 7,5 Prozent. Auf weitere zehn Medienunternehmen entfallen zusammen 17 Prozent Marktanteil, die übrigen kommen auf Unternehmen mit weniger als ein Prozent. „Die aktuellen Daten zeigen, dass die Medienlandschaft in Deutschland noch von relativ hoher Vielfalt gekennzeichnet ist“, sagt Siegfried Schneider, Präsident der BLM.

Doch auch dieser Ansatz hat seine Schwächen und bildet den Markt nicht komplett ab und lässt die großen Onlineplayer außen vor: „Wir sind uns bewusst, dass Google, Youtube und Facebook mehr Einfluss bekommen“, sagte Schneider auf den Medientagen in München.

Schneider möchte, dass der Medienvielfaltsmonitor als Instrument zur Messung und Regelung von Medienkonzentration genutzt wird. Die Medienkonzentrationskontrolle hat zur Aufgabe, Meinungsmacht von Medienunternehmen zu ermitteln und beherrschende Stellungen zu verhindern. Für die Kontrolle ist die KEK unter dem Vorsitz von Insa Sjurts zuständig. Die KEK hatte 2004 die Übernahme von Pro Sieben Sat 1 durch Axel Springer untersagt. Der der Entscheidung zugrunde liegende Ansatz war seinerzeit harsch kritisiert worden. Ein neues Modell fehlt bislang, die KEK hielt an ihrer Berechnung fest. Der BLM-Ansatz könnte nun ein Ersatz für das KEK-Modell sein.

Die Medienkonzentrationskontrolle steht ohnehin unter Beschuss. Auf Smart-TVs und im Internet treffen TV- und Online-Anbieter aufeinander, werden aber völlig unterschiedlich reguliert. Während Für das Internet kaum Regeln gelten, unterliegt TV einer Reihe von Beschränkungen, zum Beispiel nur 12 Minuten die Stunde werben zu dürfen.

Eine Neuordnung steht seit Jahren aus. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat heute angekündigt, einen Runden Tisch dazu einberufen zu wollen. pap
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