Medientrends 2010: HDTV wird massentauglich und E-Reader unverzichtbar

Mittwoch, 16. Dezember 2009
Trend 2010: Twitter festigt sich als Kommunikationskanal
Trend 2010: Twitter festigt sich als Kommunikationskanal

Hochauflösendes Fernsehen, elektronische Programmnavigation und der Vetriebsweg E-Reader - die Berliner Medienforscher von Goldmedia haben die wichtigsten Trends für das Jahr 2010 zusammengefasst. HORIZONT.NET gibt einen Überblick: HDTV wird für die breite Masse interessant: Das hochauflösende Fernsehen steht vor seinem Durchbruch. Nachdem bereits RTL und Vox in HD on Air gegangen sind, zieht Anfang 2010 Pro Sieben Sat 1 nach. Die Fußball-WM soll den Regelbetrieb bei ARD und ZDF einleiten. 2010 gilt es gerade für die privaten Sender, die HD verschlüsselt via Astra ausstrahlen, die Chance zu nutzen und HDTV so zu vermarkten, dass die Digital-TV-Inhalte schnell eine große Masse von Zuschauern zugänglich gemacht werden, rät Goldmedia.

Steigende Marktrelevanz von EPGs: Elektronische Programmführer helfen den Zuschauern, sie durch den "Dschungel des visuellen Überflusses zu geleiten". Angesichts von mehr als 2500 empfangbaren Programmen und über 50 Video-on-Demand-Angeboten blicken die Zuschauer schon heute kaum noch durch. All dies wird 2010 weiter zunehmen. Goldmedia schätzt, dass bis 2014 rund 60 Prozent der Haushalte mit einem EPG ausgestattet sind. In Deutschland gibt es derzeit über 30 Online-EPGs. Auch IPTV-, Kabel- und Satellitenbetreiber bieten die Führer an.

Erholung erst 2011: Die Werbeeinnahmen im deutschen Privatfunk sind gegenüber 2008 um rund 7 Prozent zurückgegangen. Auch das nächste Jahr wird schwierig, schätzen die Mediaforscher. Tendenziell wird der Anteil alternativer Erlösquellen weiter steigen. Auch die Onlineumsätze werden zunehmen. Sie betrugen im privaten Fernsehen 2008 jedoch nur 3,3 Prozent des Gesamtumsatzes.

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Scripted Doku-Soaps: Im Fernsehjahr 2010 wird es kaum überraschende Programminnovationen geben. Die Werbekrise schränkt die Risikofreude stark ein. Außerdem suchen die Zuschauer nach Beständigkeit. Goldmedia schätzt jedoch, dass der derzeitige Erfolg des RTL-Nachmittagsprogramms Auswirkungen auf die Programe der anderen Sender haben wird. Der Sender holt hohe Quoten mit den "Scripted Doku-Soaps". Auch Pro Sieben hat bereits angekündigt mit dem nach Drehbuch gefilmten Format "50 pro Semester" an den Start zu gehen. Goldmedia fürchtet jedoch, dass die überzeichneten gescripteten Formate den realen Primetime-Doku-Sopas wie der "Super Nanny" (RTL)  den Rang ablaufen könnten, weil es dort noch nicht schlimm genug zugeht.

Internet: Im nächsten Jahr muss es einen Sinneswandel bei der Vermarktung digitaler Inhalte geben, findet Goldmedia. Zwar sind die User nicht bereit für Inhalte zu zahlen, die sie woanders kostenlos bekommen, möglicherweise aber für Benutzerfreundlichkeit und Komfort.

Social Media wird festes Element der Mediaplanung: Die sprunghaft ansteigenden Nutzerzahlen im Social Media Segment führen die Gattung hin zum festen Element der Mediaplanung. Der Trend, einen Teil des TV-Budgets in Social Media umzuschichten wird sich 2010 verstärken. Wichtig ist die strategische Gesamtplanung von Foren, Blogs, Communitys und sozialen Netzwerken.

Twitter festigt sich als Kommunikationskanal: Twitter wird sich als eigenständiger Kommunikationskanal etablieren. Seit dem Sommer hat sich die durchschnittliche Zahl der Follower hierzulande verdoppelt. Goldmedia rechnet damit, dass nun auch immer mehr normale Internetnutzer den Kommunikationskanal für sich entdecken.

Auslaufmodell Print: Struktureller Wandel trifft Konjunkturkrise mit dem Ergebnis, dass vor allem der Werbeumsatz deutlich gesunken ist. Die Suche nach funktionierenden Geschäftsmodellen geht auch im nächsten Jahr weiter. So versucht Springer bereits im Online-Bereich kostenfplichtige Premium-Modelle zu etablieren, um das Internet als Erlösquelle zu erschließen.

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E-Reader: Die Verlage werden an der "Zeitung für die Hosentasche" nicht mehr vorbei kommen. Dank Apples iPhone und Amazons Kindle werden elektronische Lesegeräte zu einer "attraktiven Möglichkeit für die Publikumspresse, ihre Inhalte gegen Bezahlung an die Leserschaft zu bringen", schätzt Goldmedia. Setzt sich der E-Reader durch, würden Druck- und Vetriebsaufwendungen perspektivisch entfallen.

Mobilfunk: Seit 2005 verliert Mobilfunk Umsatz. Die Apps machen Hoffnung auf eine Erholung. Seit dem Start des App-Stores auf dem iPhone im Juli 2008 und September diesen Jahres wurden mehr als 2 Milliarden Apps heruntergeladen. Die Umsätze könnten bei geschätzt 200 Millionen US-Dollar im Momant liegen - Tendenz steigend.

Markt- und Medienforschung: Die Konsumenten sind immer schwerer zu erreichen. Um das veränderte Mediennutzungsverhalten zu erfassen, muss die Medienforschung zeitnah Tools und Systeme entwickeln, die das Konsumenverhalten registrieren, erklären und prognostizieren können.  Vor allem Messungen zur Erfolgsprognose werden laut Goldmedia immer wichtiger. pap

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