Medientage: Rheingold-Geschäftsführer fordert Schulterschuss der Zeitungsverlage

Freitag, 30. Oktober 2009
Rheingold-Chef Jens Lönneker
Rheingold-Chef Jens Lönneker

Bei seinem Vortrag auf dem Podium der Medientage München 2009 forderte Jens Lönneker, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Rheingold, von Zeitungsverlagen, sich stärker miteinander zu verbünden. „Der Konkurrenzkampf zwischen Verlagen und anderen Medienangeboten ist heute viel stärker als der Wettstreit der Printhäuser untereinander. Ein Netzwerk könnte helfen, die Kategorie Zeitung gegenüber dem medialen Wettbewerb zu stärken", sagt Lönneker. Vor allem im Internet wäre ein solcher Schulterschluss denkbar. Beispielsweise könnten Verlage sich im Web zusammentun und bei überregionalen Themen Inhalte austauschen. Im Gegenzug könnten sie bei regionalen Themen, die ihre Hauptkompetenz darstellen, ihre Stärken besser ausspielen. Basis dieser Forderung ist Lönnekers langjährige Forschungsarbeit. Während der zahlreichen Interviews mit Studienteilnehmern haben sich laut dem Psychologen zwei große gesellschaftliche Trends herauskristallisiert, unter denen die Printbranche leidet. Zum einen erweitere sich der Horizont einer Region. „Das heißt, die Bindung an die regionale Gemeinschaft nimmt ab." Das hat zur Folge, dass auch die Bedeutung der regionalen Tageszeitung sinkt.

Zum anderen sei eine Entrhythmisierung des Alltags zu beobachten. Durch die Flexibilisierung der Arbeitszeiten habe der Tag heute bei vielen Menschen keinen festen Ablauf mehr. „Für die Tageszeitungsverlage ist das ein Problem, weil es keine festen Rituale mehr gibt, in die die Zeitungslektüre eingebunden werden kann", führt Lönneker aus. Als Lösung schlägt er individuellere Konzepte vor wie zum Beispiel personalisierte Zeitungen und ein stärkeres Engagement der Zeitungen in Communitys. bn
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