Medientage München: Mobile Content ist für Medienhäuser noch Zuschussgeschäft

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Der Aufbau von Inhaltsangeboten für mobile Endgeräte steht für die Medienhäuser in Deutschland oben auf der Agenda. Trotz aller Hoffnungen auf eine künftige Erlössäule befinden sich die Unternehmen jedoch noch in der Investitionsphase. Dies zeigte eine Paneldiskussion zum Thema "Mobile Content: News, Entertainment Sort - welche Inhalte eignen sich für welche Zielgruppen" im Rahmen der Münchner Medientage. "Wir verdienen mit mobilen Inhalten heute noch kein Geld", räumt Klaus Ebert Programmdirektor Bewegtbild, Verlagsgruppe Bild, offen ein, lässt aber keinen Zweifel an der Bedeutung dieses Themas für die Zukunftsstrategien seines Hauses. So verweist er etwa auf das online bereits einträgliche Geschäft mit Internet-Games, bei dem die User etwa bei einem Golf-Spiel teilweise über 80 Euro für den Erwerb eines virtuellen Golfschlägers ausgeben, der dann nach einer gewissen Einsatzzeit abnutzt und erneuert werden muss. Ebert betont dabei die Notwendigkeit, möglichst vielen Interessenten freien Zugang zu den Spielen zu gewähren und darauf kostenpflichtige Angebote aufzusatteln. Eine wesentliche Erfogsvoraussetzung sei jedoch der schenlle Ausbau der mobilen Übertragungskapazitäten und kostengünstigere mobile Datennutzungstarife via Flatrate.

Manfred Neumann, Leiter Mobile Services Seven-One Intermedia, sieht ebenfalls derzeit noch das Nadelöhr in unattraktiven Datentarifen im Massenmarkt. Mit dem Pro Sieben Web & TV Stick pusht sein Sender deshalb auch die mobile Nutzung zu einem Stundenpreis von 77 Cent. Dies sei in dieser Phase nötig, um die mobile Datennutzung in Deutschland nach vorne zu bringen. Kerngeschäft bleibe jedoch die Aufbereitung von Inhalten auch für mobile Plattformen, der in erster Linie über Werbung finanziert werde, neben Paid-Content-Erlösen über App-Stores und Klingeltöne. Neumann ist sich sicher, dass sich die Medienhäuser bei Inhaltsangeboten gegenüber den Telekommunikationsanbietern die Oberhand gewinnen.

In Japan ist die mobile Internetnutzung bereits weiterentwickelt, hier halten jedoch die Mobilfunkbetreiber die Zügel in der Hand "Allerdings beschränken sich diese wie etwa Docomo auf 9 Prozent der Umsatzerlöse mit mobilen Inhalten von Drittanbietern", sagt Marco Koeder, Executive Manager Cybermedia, Tokio, so dass für die Medienhäuser bessere Refinanzierungschancen bestehen. Wegen unterschiedlichem Nutzerverhalten ließen sich die japanischen Erfolgsmodelle jedoch nicht auf Europa übertragen. joz
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