Medienschelte: Margot Käßmann bemängelt Schamlosigkeit

Montag, 28. Dezember 2009

Margot Käßmann, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, übt heftige Kritik an den deutschen TV-Sendern. "Der Schutz der Privatsphäre scheint nichts mehr wert. Es geht offenbar nur noch um den programmierten Tabubruch, um nichts anderes. Die Sender müssen sich ihrer Verantwortung für die Menschen wieder bewusst werden", sagt die Theologin in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Im Zentrum ihrer Kritik stehen vor allem Castingshows, die ihrer Meinung nach Jugendliche vorführen. Aber auch die Printmedien kommen nicht ungeschoren davon. Die Berichterstattung über die HIV-infizierten Sängerin Nadja Benaissa ist für sie ein Beispiel der Grenzüberschreitung. "Mehr kann man einen Menschen nicht bloßstellen", sagt Käßmann.

In dem Interview stellt sie sich aber auch der Verantwortung, die die Kirchen in den Medien tragen. In den Fernseh- und Rundfunkräten sitzen ihre Vertreter, die sich beim Eklat um ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender kaum zu Wort gemeldet haben. "Ich habe ein großes Unbehagen, wenn Parteien die Sender beeinflussen. Wir müssen sicher als Kirche immer wieder darauf achten, dass die Personen, die uns in den Aufsichtsgremien der Sender vertreten, auch wirklich einen kritischen Geist einbringen." bn
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