Medienbericht: Aus für „FTD“, „Impulse“ und „Börse Online“ / G+J: Noch keine Entscheidung gefallen

von Roland Pimpl
Montag, 19. November 2012
Entpuppt sich möglicherweise als harte Saniererin: G+J-Vorstandsmitglied Julia Jäkel
Entpuppt sich möglicherweise als harte Saniererin: G+J-Vorstandsmitglied Julia Jäkel

Die absurde Spekulationsschlacht um die Zukunft der Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien geht auch am Wochenende weiter: Der "Focus" ist sich jetzt sicher, dass G+J drei seiner vier Titel komplett einstellen will: "Financial Times Deutschland" ("FTD"), "Impulse" und "Börse Online". Nur das Monatsmagazin "Capital" soll demnach weiter bestehen. 330 von 350 Mitarbeitern müssten dann gehen, so das Magazin. Dabei beruft sich "Focus" auf Informationen aus dem "engeren Unternehmenskreis", ist sich aber so ganz sicher wohl doch noch nicht: Worte wie "offenbar" und "wäre" in der Vorabmeldung lassen - wie so oft in den vergangenen Tagen - die Frage aufkommen, ob es sich bei dem beschriebenen Szenario (und von denen kursieren derzeit mehrere) um die harte Information handelt, dass die Vorstandsentscheidung tatsächlich gefallen ist - oder um eine mit Insider-Wahrscheinlichkeit aufgeladene Spekulation oder Ahnung. Auch diese sind derzeit in Hamburg und in Gütersloh, dem Sitz des G+J-Haupteigners Bertelsmann, recht billig zu haben.

Unterdessen berichtet das "Hamburger Abendblatt" zeitgleich zur "Focus"-Meldung im Gegenteil, dass sich der G+J-Vorstand "wegen der hoch komplexen Gemengelage" noch ein paar Tage Zeit lasse (dies deckt sich mit Informationen von HORIZONT.NET) - oder die Entscheidung vielleicht sogar noch über den ursprünglich geplanten Mittwoch kommender Woche (dann tagt der G+J-Aufsichtsrat) hinaus verschiebe.

Und dennoch: Das vom "Focus" als "offenbar" beschlossen beschriebene Szenario ist eines der wahrscheinlicheren. Wenn es so käme, dann würden die Schreckensmeldungen aus der Verlagsbranche nicht abreißen, nach dem Aus für den gedruckten "Prinz" und dem Insolvenzantrag der "Frankfurter Rundschau". Dass bei der lachsrosa "FTD" sowie bei "Capital" über alternative Szenarien nachgedacht wird, ist schon länger bekannt. Bereits Anfang des Jahres hatte "FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann gegenüber HORIZONT kein Szenario mehr ausgeschlossen und laut über nur noch eine gedruckte Wochenendausgabe und täglich erscheinende digitale Tablet-Ausgaben nachgedacht. Doch laut "Focus" ist jetzt selbst die Vision einer rein digitalen "FTD" vom Tisch.

Eine Einstellung der Titel wäre nach allen Berichten der vergangenen Tage indes kaum mehr überraschend. "Die Tendenz geht gegen Schließung", hatte die "FAZ" vor wenigen Tagen noch einen Verlagsmanager zitiert. Möglicherweise sehen die neue G+J-Deutschland-Vorstandsfrau Julia Jäkel und/oder die G+J-Gesellschafter nun keine Chance mehr, die Sparte in absehbarer Zeit oder überhaupt in die Gewinnzone zu führen. Laut Medienberichten macht die G+J-Wirtschaftssparte derzeit einen Verlust von rund 15 Millionen Euro.

Update: Über dpa verbreitet G+J: "Fakt ist: Es gibt keine Entscheidung in diesem gesamten Prozess", sagt Unternehmenssprecher Claus-Peter Schrack am Samstag. Spekulationen könne und wolle G+J nicht kommentieren. "Vor dem Hintergrund der wirtschaftlich sehr schwierigen Entwicklung der Wirtschaftsmedien prüfen wir aktuell sehr intensiv unterschiedlichste Optionen zur Zukunftsfähigkeit der Wirtschaftsmedien", so Schrack laut dpa. rp/mas
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